Palmeira

Wir haben uns auf der Insel Sal in Palmeira schon richtig gut eingelebt und mit den anderen Seglern sowie dem TO-Stützpunktleiter Carlos so manchen ponche (Mischung aus Zuckerrohrschnaps u. – sirup mit Orangenschalen o. Vanille) geschlürft. Die Nachmittage in der Bar enden meist erst spät nachts in seinem Haus. Endlich treffen wir andere Segler, die schon seit Jahren unterwegs sind bzw. die Weltumseglungen hinter sich haben, wie selbstverständlich wurden wir als Greenhorns sofort in die große Seglerfamilie aufgenommen und bekommen viele hilfreiche Tipps und Ratschläge.

Geburtstag Carlos

Eigentlich wollten wir recht zügig weiterfahren, aber das fällt einem hier sehr schwer – leider haben wir seit zwei Tagen Flaute und motoren wollen wir auch nicht – also noch ein bisschen abhängen, schwimmen gehen und die Insel unsicher machen (oh, wie unangenehm). Wir müssen uns damit abfinden, dass wir langsam die Zivilisation in unserem Sinne verlassen.

Fischmarkt

Einkaufen oder Internet sind keine Selbstverständlichkeit mehr – man muss jetzt das nehmen, was man gerade bekommen kann d.h. keine großen Wünsche mehr. Trotzdem geht es uns noch sehr gut, wenn man sieht wie die Einwohner einkaufen – 1 Tomate, 1 Zwiebel und wenn das Geld noch reicht vielleicht 1 Brühwürfel (nicht ein Päckchen) – auch Zigaretten oder Zuckerwürfeln werden hier einzeln verkauft.

Ueberfahrt

Heute morgen kam mit dem Sonnenaufgang auch die Insel Sal in Sichtnähe. Es ist schon ein schönes Gefühl nach sechs Tagen auf See mal wieder Land zu sehen. Da an der afrikanischen Küste gerade ein Tief durchgezogen ist, haben wir noch die Ausläufer mit sehr hoher Kreuzsee zu spüren bekommen d.h. ohne fest anhalten bzw. anleinen war eine Bewegung an Bord nicht möglich, auch das Kochen wurde auf das Einfachste reduziert.
Obwohl Palmeira die Hauptstadt von Sal ist, besteht sie nur aus ca. 40 Lehmhäuern – wir müssen uns langsam daran gewöhnen, dass wir nicht mehr in Europa sind. Das Einklarieren sowie auch die polizeiliche Meldung waren überhaupt kein Problem, wenn man versucht ein bisschen portugiesisch zu sprechen (habe ich mir vorher auf einem Zettel notiert – schlau nicht?). Geldwechseln tut man hier im örtlichen Baumarkt – andere Länder, andere Sitten!

Sal

Heute haben wir uns nur einen groben Überblick verschafft und sind dann in der Fischerbar am Hafen bei Bier und frittierter Muräne hängengeblieben – na dann Prost! Mit den beiden neben uns liegenden deutschen Schiffen und auch dem TO-Stützpunktleiter Carlos haben wir bereits Kontakt geschlossen – die werden uns sicher noch brauchbare Tipps über die Kapverden geben können.

Wir haben bereits die halbe Strecke zwischen den Kanaren und Kapverden zurückgelegt und geniessen die große Freiheit des Ozeans – langsam haben wir uns auch wieder an das permanente Geschaukel gewöhnt, obwohl die Atlantikwelle eine angenehme ist, durch die langen jedoch hohen Wellen.

Abendessen

Inzwischen haben wir die Sache mit dem Fischen auch schon ganz gut raus und so landen jeden Tag ansehnliche Doraden oder Bonitos in der Pfanne. Anfangs haben wir einfach zu kleine Köder und Haken verwendet und haben den Fang zu schnell an Bord holen wollen, dabei sind uns die Fische buchstäblich vom Haken gesprungen (es gibt jetzt einige Fische mit Wangenpierching) d.h. jetzt wird erstmal gewartet bis das „Opfer“ richtig zupft und dann wird mal gemütlich die Genua eingerollt um die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen und der Kescher sowie die Schnapsspritze vorbereitet. Inzwischen holt Christoph in aller Ruhe die Leine ein und ich die Pfanne raus – also jeden Tag ein Festessen, weil so frisch bekommt man nirgendwo den Fisch!!!

... und wieder einer

Da wir derzeit einen Schnitt von 5-6 kn fahren werden wir bis Sal noch ca. 3 Tage brauchen – bis dahin sind auch unsere selbstgemalte Flagge und die Sicherheitsvorkehrungen fertig.

Die letzten Landtage haben wir so richtig genossen mit Ausflügen in die umliegenden Lavafelder sowie in die „Hauptstadt“ Valverde – diese liegt als einzige Inselhauptstadt der Kanaren nicht an der Küste, sondern an einem Berghang in der Inselmitte. Dieses Dorf hat ca. 50 Häuser und zwei Kirchen. Es gibt auch ein paar Geschäfte und diese hätten sogar Öffnungszeiten angeschrieben. Das bedeutet aber noch lang, nicht, dass selbige eingehalten werden. Es wurde uns erklärt, dass man sich sowieso in der Bar trifft. Wenn man etwas braucht ruft man einfach nur an und der Besitzer kommt und sperrt auf – auch eine Art von Arbeitsauffassung!!! El Hierro ist die kleinste der Kanareninseln, jedoch mit ihren 1500m hohen Bergen auch eine der grünsten. An den Küsten findet man interessante Lavaformationen und im Inselinneren viel Wald und nebelverhangene Berggipfel – wunderschön und kaum touristisch. El Hierro zählt neben La Gomera zu den Toptauchspots, da man bei fast jedem Tauchgang Adlerrochen, Haien oder wirklich großen Zackenbarschen begegnet. Leider sind wir aufgrund meiner Verkühlung nicht zum Tauchen, sondern nur zum Schnorcheln gekommen – war aber trotzdem sehr nett.
Heute haben wir erstmalig im Zuge des Ausklarierens unseren Hafenkommandanten gesehen. Dieser ist sehr locker und hat uns nur 3 Liegetage berechnet für die wir unglaubliche 17,– berappen mussten – sehr günstig. Gerade als wir gehen wollen kommt ein deutsches Schiff herein und wir setzen uns noch zu einem Schwätzchen zusammen. Es stellt sich heraus, dass Pete und Silke auch in ein paar Tagen zu den Kapverden fahren wollen (die ersten, die wir treffen) – uns jucken jedoch schon die Seebeine und wir brechen trotzdem heute auf und werden sie dort wiedersehen.

neues Crewmitglied

Mit mäßigem jedoch sehr stark drehendem Wind lassen wir das letzte Eiland Europas im Dunst zurück. Diesmal wird uns nicht fad, da wir alle paar Stunden die Segelstellung ändern müssen. Übrigens machen wir uns als Arche Noah gut – eine kanarische Taube hat scheinbar vor uns zu begleiten und hat es sich bei uns bequem gemacht.

Hier ist das „Ende der Welt“ – der südwestlichste Punkt Europas (zumindest politisch gesehen). Bis 1884 verlief hier der Nullmeridian und Kolumbus ankerte vor der Eroberung der neuen Welt hier. Der kleine Hafen wurde und wird gerade neu ausgebaut – hier liegt man an Schwimmstegen, die derzeit aber noch keinen Wasser- bzw. Stromanschluss haben. Sonstigen Anschluss haben wir jedoch sofort gefunden – neben uns liegt ein kleines Segelschiff mit einem jungen Franzosen, der bereits seit einem Jahr hier ist und sogar englisch spricht. Scheinbar dürfte auf seinem Schiff der Treffpunkt für alle sein, weil permanent ein Kommen und Gehen ist. Simon hat uns sofort integriert und so kennen wir schon fast alle wichtigen Leute vor Ort.

La Restinga

Wir genießen noch die letzten Tage vor dem Absprung aus Europa und aalen uns im glasklaren Wasser bzw. gehen schnorcheln (viele Fische, sogar Rochen und kleine Haie) vielleicht machen wir auch noch einen Tauchgang – Guide hätten wir schon, nur sind die Wellen außerhalb des Riffs sind augenblicklich noch zu hoch. Inzwischen erkunden wir die Insel per Bus. Bereits in ein paar Tagen werden wir das letzte Leuchtfeuer hinter uns lassen und in die neue Welt aufbrechen.

Sonnenuntergang

Obwohl wir in La Gomera wirklich nette Leute kennen gelernt haben und uns sehr wohlfühlen, brechen wir doch Richtung El Hierro auf, denn die Zeit läuft und wir wollen ja noch ein paar Monate in Südamerika verbringen, bevor wir ums Hoorn fahren. Da die Windverhätnisse in den Kanaren sehr eigen sind, müssen wir zuerst unter Motor aus der Inselabdeckung kommen um dann mit halber Genua und 7 kn durch die Düse zu flitzen – ist ein echt interessantes Segelrevier. In El Hierro legen wir uns in der Bucht vor dem Puerto de la Estaca vor Anker (lt. Hafenhandbuch erlaubt) werden jedoch mitten beim Abendessen vom Hafenkommandanten verscheucht und müssen uns an den Pier legen. Eigentlich sind die meisten Häfen nur für Extremkletterer bzw. Affen geeignet, da die Molen selbst bei Hochwasser meist nur mit einer Leiter zu erklimmen sind. Da ich ja die ganzen Anlegemanöver fahre, suche ich mir daher dumm-frech einfach immer ein Plätzchen mit Steighilfe (man zahlt ja schießlich auch dafür). Mit leckerer Pasta und einem Gläschen Wein schließen wir den Tag ab und fallen glücklich ins Bettchen.  Puerto de la Estaca ist ein reiner Fährhafen ohne Versorungsmöglichkeiten oder Lokalen, auch gibt es hier weder Wasser noch Strom – trotzdem zahlt man knappe € 17,– für diesen „Service“ – morgen fahren wir sowieso weiter!

Johannisfeuer


Wir haben die letzen Tage mit lesen, faulenzen und schwimmen im glasklaren Wasser genossen – Unterwassersicht ca. 15 m! Auch haben wir versucht den „vergessenen“ Anker von Wolfgang und Sabine zu finden, aber da dürfte uns der örtliche „Putztrupp“ in Form der Tauchbasis zuvorgekommen sein (haben angeblich einige Anker gehoben). Da es hinter der Hafenmole recht stickig war, haben wir uns vor Anker in die Bucht rausgelegt – viel angenehmer durch die leichte Brise auch wenn es natürlich etwas mehr schaukelt.

Lebenslust


Heute Nacht pünktlich um Mitternacht wurde bei uns am Strand das Johannisfeuer entzündet – schon bald haben rundum an den Hängen die Flammen bzw. Fackeln geleuchtet. Mit Feuerwerk und Böllern sowie typisch kanarischer Musik wurden die fünftägigen Feierlichkeiten bis Peter/Paul am 29.06. eingeläutet. Am Donnerstag war dann die große Prozession durchs Dorf bis rauf zur Eremita de los Reyes (ganz schön steil und weit bei diesen Temperaturen).

Wenn die Spanier mal feiern, dann aber richtig mit viel Wein, Gesang und natürlich frisch gegrillten Muscheln und Fisch – einfach herrlich!!!

Valle Gran Ray am 21.6.2010

Valle Gran Rey am 21.06.2010

Gran Rey

Die Entscheidung unseren Liegeplatz nach Valle Gran Rey (Tal des großen Königs) zu verlegen war sehr gut. Wir liegen in Puerto Vueltas direkt an einer Leiter am Pier zwischen Fischerbooten (ist notwenig, da der Gezeitenunterschied über 2m beträgt). Ist nämlich lustig wenn man das Schiff fast ohne Niveauunterschied verlässt und nachher weit runter klettern muss um wieder an Deck zu gelangen.

nicht jeder hat einen Hund!

 Hier ist es richtig gemütlich und ruhig, da hier fast nur alternative Leute und Späthippies anzutreffen sind. Auch die abendliche Unterhaltung entspricht unseren Vorstellungen (kein Hiphop oder laute Diskomusik) sondern ein gediegendes Glas Wein bei Kerzenschein und kanarischer Musik.

Babsi beim Schwimmen

Die Kulisse ist auch atemberaubend, da diese Bucht direkt unter hohen Felsklippen liegt – beim Sonnenuntergang ein fantastisches Schauspiel! Wir fühlen uns hier richtig wohl und müssen aufpassen nicht hängenzubleiben.

Mit unserem kleinen Fiat Panda machen wir uns heute auf zur Inselrundfahrt.

Baustelle

Die Hauptstraßen sind außergewöhnlich gut ausgebaut, nur an den Nebenstraßen kann man noch erkennen, wie es noch vor ein paar Jahren ausgesehen hat. Emsig wird hier an der Infrastruktur gearbeitet – echt fleissig!! La Gomera steckt voller Gegensätze, an der Küste schäumende Brandung, schroffe kahle Felsen mit tollen Lavaformationen und im Inselinneren Nebelwald, der seinem Namen alle Ehre macht.

Nebelwald


Es ist faszinierend, dass es innerhalb von Minuten von Sonnenschein zu totalem Nebel wechseln kann. Natürlich haben wir auch eine Wanderung durch den Laurissilva (uralte Lorbeerbäume mit ganz langen Bartflechten und Farnen) gemacht – ist schon gespenstisch, wie verwunschen! Da wir unseren Liegeplatz verlegen wollen, sehen wir uns in Puerto Vueltas um und gönnen uns ein Mittagessen in einem netten Fischlokal (vielen Dank für die Empfehlung an Sabine und Wolfgang). Über unzählige Serpentinen und an riesigen Bananenplantagen vorbei geht es dann wieder zurück nach San Sebastian. Sogar “El Siblo“ die einzigartige Pfeifsprache haben wir heute zufällig hören können – ist schon sehr markant. Da das Einkaufen mit einem fahrbaren Untersatz leichter ist, haben wir nochmals unsere Wasser- und sonstigen Vorräte aufgestockt (jetzt können wir locker bis Südamerika überleben). Es ist uns aufgefallen, dass erstaunlicherweise die Preise in La Gomera um einiges günstiger sind als in Gran Canaria (bis auf die Marinagebühren).

Christoph im Nebelwald

Da gestern die Wetterbedingungen schlecht waren, sind wir erst heute Vormittag aufgebrochen. Die ersten zehn Seemeilen mussten wir gegen den Wind aufkreuzen,  aber dann mit Halbwind sind wir mit einem Schnitt von 6 kn dahingeglitten.

Teide

Bei Sonnenuntergang tauchte die Küste von Teneriffa aus dem Dunst auf und immer in Sicht der Gipfel vom Teide. Bei sternenklarer Nacht hatten wir immer zur Orientierung die Lichter der Insel auf unserer Steuerbordseite. Gegen Morgen hatten wir La Gomera bereits in Sichtweite, aber es ist dann mal wieder der Wind eingeschlafen.  Nach einigen Herumtümpeln haben wir den Motor gestartet und nachdem wir aus der Inselabdeckung waren, hat auch schon die Düse voll eingesetzt und wir konnten nur mit halber Wäsche fahren. Am Wasser ist uns eine Bavaria mit Vollzeug entgegen gekommen, die am Abend ohne Mast in die Marina zurückgekehrt ist – also Vorsicht vor der Düse zwischen den Inseln und den extremen Fallböen. Die Marina mit Schwimmstegen liegt wunderschön vor einer hohen Felswand, ist jedoch aufgrund der Wellen relativ unruhig. Da die Marinagebühr verhältnismäßig hoch ist, wollen wir nur zwei Tage bleiben. Die Hafenmole von San Sebastian wird gerade gigantisch erweitert – es ist schon erstaunlich, dass so ein kleiner Ort (obwohl Hauptstadt) so große Fähranleger braucht. San Sebastian ist ein beschaulich entzückendes Städtchen, in dem das Leben sehr gemächlich ist, man jedoch alles bekommt. Nach einem Bummel durch die kleinen Gässchen buchen wir noch für den nächsten Tag einen Mietwagen und lassen den Abend an Bord ruhig ausklingen.

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