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Grenzformalitäten zwischen den Kanaren (EU) und den Kap Verden

In den letzten Jahren haben sich die Grenzformalitäten in vielen Ländern drastisch vereinfacht. Dies liegt daran, dass es andere und vor allem wirkungsvollere Methoden zur Eindämmung von Schmuggel und illegaler Einreise gibt, als die Grenzüberwachung durch Passkontrolle. Jedoch ist es überall auf der Welt schwierig alte Formalismen komplett zu ersetzten, daher werden viele Prozesse beibehalten obwohl sie selbst von den Verantwortlichen als überflüssig angesehen werden. Dies führt dazu, dass vieles in stiller Absprache zwar vereinfacht wird, jedoch nicht immer gesetzeskonform vor sich geht. Gerade wir Segler bewegen uns somit häufig in einem gesetzlichen Graubereich, dies macht uns zwar das Leben leichter jedoch kann es für uns sehr unangenehme Folgen haben, wenn durch irgendeinen Zufall die Mühlen des Gesetzes zu mahlen beginnen. Aus diesem Grund möchte ich einen kurzen Abriss der aktuellen Formalismen zu diesem Thema skizzieren.
Die Kanaren gehören bekanntlich zu Spanien also zum EU-Raum, hier werden die Grenzformalitäten durch das Schengener Abkommen geregelt. Dieses gilt jedoch nur in Bezug auf Landgrenzen, alle Seegrenzen sind ausgenommen. Weiters hat die EU die Einklarierungshäfen der einzelnen Staaten eindeutig festgelegt, dass führte zu einer drastischen Ausdünnung der Zollhäfen. Das trifft die Berufsschifffahrt kaum, da die Formalitäten durch eigene Agenturen nicht mehr im Abfahrtshafen erfolgen müssen. Wir Segler dagegen stehen immer häufiger vor den verschlossenen Türen der Klarierungsbüros. Speziell für die Kanaren gilt nur mehr Las Palmas auf Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife auf Teneriffa als „port of entry“. Das Einklarieren der Yacht auf den Kanaren – von Europa kommend ist nicht notwendig, jedoch werden in den Marinen sowie in den Hafenmeistereien einiger Häfen die Schiffspapiere überprüft und entsprechende Gebühren verrechnet. Auch das Ausklarieren zu einem anderen Hafen in Europa ist nicht mehr vorgeschrieben, jedoch bei Zielen außerhalb Europas bleibt uns das nicht erspart, entweder in Teneriffa oder Gran Canaria auszuklarieren. Dazu ist die Hafenpolizei aufzusuchen – in Las Palmas befindet sich diese am Nordkopf des Handelshafens in einem kleinen Büro. In Santa Cruz findet man die Behörden am hinteren Ende der Werkhallen in der Nähe der Fischereigenossenschaft. Da vor allem in der Karibik und den Kapverden eine Ausreisebestätigung aus Europa nicht von Nöten ist, “vergessen“ viele Yachten diesen Schritt. Ganz anders schaut die Sache mit Südamerika aus, hier sind die Stempel im Pass sowie eine entsprechende Crewliste notwendig. Da daher das Ausklarieren von Sportbooten eher selten vorkommt, muss man meist den Beamten erklären was man genau möchte, also einen Stempel mit Datum im Pass sowie eine abgestempelte Crewliste. Das Befahren der restlichen Kanareninseln ist genaugenommen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich wird jedoch offiziell geduldet.
Hat man nach ca. 800NM und sechs bis acht Tagen die Kapverden erreicht, gibt es drei Einklarierungshäfen: Mindelo (Sao Vicente), Palmeira (Sal), Praia (Santiago) welche tunlichst sofort anzulaufen sind. Für Segelschiffe von den Kanaren kommend bieten sich Mindelo und Palmeira an, wobei Mindelo vor allem von Schiffen angelaufen wird welche die Kapverden als Zwischenstopp in die Karibik zum Nachbunkern nutzen, Palmeira hingegen ist ideal als Starthafen wenn man einige Zeit auf den Kapverden verbringen möchte.
Das Einklarieren in Palmeira ist ausgesprochen einfach, es wird alles an Ort und Stelle erledigt. Dazu sollte man so bald als möglich die Polizeistation aufsuchen, diese befindet sich von der Fischermole aus am blauen Haus vorbei links ca. 150m an der rechten Seite. Nach Bezahlung von je 1 € pro Crewmitglied bekommt man die Ankunftsstempeln in den
Pass. Anschließend geht es gleich nebenan in das Büro des Hafenmeisters, dort verbleiben die Originalschiffspapiere. Ein Besuch am Flughafen wegen eines Visums ist nicht mehr notwendig. Beim Weiterreisen holt man sich die Papiere und bekommt einen Laufzettel des Hafenmeisters für die nächste Insel, kostet ca. 7 €. Will man Praia und Mindelo nicht anlaufen ist hier auch gleich der Ausreisestempel zu bekommen. Bei Problemen wende man sich an Carl Heinz Lange dem hiesigen TO-Stützpunktleiter auf Sal welcher als “Carlos de Alemano“ überall bekannt ist.
Es ist verpflichtend in jedem offiziellen Hafen die Hafenpolizei aufzusuchen und die Schiffspapiere dort zu hinterlegen. Probleme wegen des bereits vorhandenen Ausreisestempels gibt es normalerweise nicht, jedoch wird einem unmissverständlich klargemacht, dass beim Anlaufen von Mindelo oder Praia das Einklarieren nochmal vorgenommen werden muss! In Mindelo kann alles über die Marina abgewickelt werden, in Praia hingegen sollte man als fremde Yacht aufgrund der sehr unsicheren Lage eher nicht anlaufen und wenn sollte man weder das Beiboot noch die Yacht, auch nicht für kurze Zeit alleine lassen, auch sollen die Klarierungsprozeduren sehr umständlich und lange dauern (wurde vom Autor nicht besucht jedoch von vielen Seglern bestätigt).
Nach unserer persönlichen Erfahrung sind nur die Insel Santiago und Mindelo auf Sao Vicente (Marina ausgenommen) als potentiell eher gefährlich einzustufen, wenn man von kleinen Gelegenheitsdiebstählen absieht stellen die anderen Inseln kein Risiko dar.
Henny Küsters, TO-Stützpunktleiter auf Sao Nicolau, Tarrafal ist ebenfalls als Ansprechpartner sehr bemüht Probleme der Yachties zu lösen und freut sich auf jeden Besuch. Ein Essen bei Ihm und seinen Jungs sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Barbara und Christoph Einspieler / SY-Taurus

Sommer 2010