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Revierbericht Französisch Guyana

Allgemeines:

Französisch Guyana liegt im Nordosten Südamerikas, zwischen Brasilien und Surinam. Es ist ein französisches Überseedepartement und gehört zur EU. Dieses kleine Land nimmt somit eine Sonderstellung in Südamerika ein. Als Teil des reichen Europas musste es sich nie Sorgen ums Überleben machen, es war und ist daher nicht gezwungen seine Regenwälder exzessiv abzuholzen. Heute sind noch rund 90% der Urwälder erhalten. Bei der Größe von Portugal und einer stabilen Bevölkerung von knapp 250.000 Einwohnern ist auch kein steigender Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen, wie zum Beispiel in Brasilien, erkennbar. Dies ermöglicht einem der artenreichsten Habitate der Welt das Überleben.

Der größte Wirtschaftszweig Französisch Guyanas ist der Weltraumbahnhof in Kourou, desweiteren gibt es Fischerei, Holz und Bergbau in geringen Quantitäten. Die meisten Konsumgüter auch Energieträger werden importiert. Um der latent hohen Arbeitslosigkeit Herr zu werden gibt es, wie üblich in solchen Ländern, sehr viele Pseudojobs im öffentlichen Sektor. Leider führt diese Perspektivlosigkeit gepaart mit sehr großzügigen sozialen Leistungen, wie so oft, zu Alkohol- und Drogenmissbrauch welches in den Städten deutlich erkennbar ist.

Trotz der unangetasteten Natur, der hübschen Kolonialzeitgebäuden, der Straflager auf Iles du Salut, der guten Infrastruktur und nicht zuletzt wegen des Weltraumbahnhofs ist der Tourismus immer noch verschwindend klein. Jedoch für alle Segler die sich dem Jährliche ARC treiben nicht aussetzten wollen und daher schon frühzeitig die Route Kanaren – Kap Verden – Brasilien – Karibik wählen, liegt Französisch Guyana am Weg und kann eine Menge bieten.

Französisch Guyana hat eine relativ unstrukturierte, flache Küste, unseres Wissens gibt es nur sieben Ankermöglichkeiten auf diesem knapp 180 NM weiten Küstenabschnitt. Diese wären von Südosten beginnend:

  • (Rio Oiapoque, besonders der Nebenarm Rio Ouanary)
  • Degrad Des Cannes *, im Riviere Le Mahury
  • (Cayenne, an der Mündung des Riviere De Montsinery)
  • Iles Du Salut; Ile Du Diable, Ile Royale, Ile Saint Joseph
  • Kourou *
  • (Riviere De Sinnamary)
  • Sant Laurent Du Maroni *, im Rivier Fleuve Moroni

Wobei die in Klammer gesetzten sehr seicht und für Segelschiffe eher nicht geeignet sind (sie wurden auch von den Autoren nicht angefahren, sondern sind nur vom Hörensagen bekannt). Die mit Stern versehenen Kennzeichen die Einklarierungshäfen.

Alle größeren Orte liegen in Flussläufen, der Ankergrund besteht überall aus weichem Schlick, die Haltekraft ist also sehr Ankerabhängig, die Strömung kippt abhängig von den Gezeiten und es kann bei Wind gegen Strom ruppig werden, man muss bei Springtide mit bis zu fünf Knoten rechnen.. Außerdem tanzen dann die Schiffe wie wild herum, ein entsprechender Abstand zum Nachbarn ist also sehr empfehlenswert. Außer in St. Laurent liegt man immer in sehr nährstoffreichen Salzwasser, der Rumpf und vor allem die Schraube wachsen oft mit atemberaubendem Tempo zu, also nicht wundern wenn die Schraube auch nach kurzem Aufenthalt kaum mehr Schub liefet.

Finanzen und Einkaufsmöglichkeiten:

Gezahlt wird in Euro, das Geld kann man bequem von den (relativ wenigen) Bankomaten ziehen, jedoch wie im EU-Raum üblich ohne zusätzliche Kosten und Gebühren. Dies macht Französisch Guyana nicht so teuer wie man im Allgemeinen glaubt. In Brasilien kostete uns der Real über 10% mehr als der normale Umrechnungskurs vermuten ließ und Brasilien war kaum 10% günstiger als Französisch Guyana (wenige Produkte ausgenommen). Es macht trotzdem Sinn Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker, Kaffee, … sowie Kraftstoff in Brasilien zu bunkern, denn genau diese Grundproduckte sind durch die staatliche Stützung deutlich günstiger. Viele andere Produckte bekamen wir in Französisch Guyana zum Teil günstiger und vor allem in viel besserer Qualität.

 

Formalitäten:

Da Französisch Guyana ein französisches Überseedepartement ist benötigen EU Bürger kein Visum und keinen Stempel im Pass, Sie müssen daher die Immigration nicht aufsuchen. Jedoch der Zoll (Douane) bleibt auch den EU-Bürgern nicht erspart. Das Hauptproblem ist in erster Linie die Behörden zu finden, dann jedoch ist das Prozedere einfach und schnell erledigt. Man bekommt eine Aufenthaltsgenehmigung für das Schiff von drei Monaten. Es ist alles gebührenfrei. Will man weiter nach Surinam ist es beim Ausklarieren auch für EU-Bürger sinnvoll sich einen Stempel von der Immigration zu holen und den Zoll um eine Klarierungsbestätigung zu bitten. Wo die offiziellen Stellen zu finden sind ist im Folgenden angeführt:

 

Cayenne, Degrad Des Cannes:

Zoll (Douane):   Der Hafenmeister im Marina Office in Degrad Des Cannes. Öffnungszeiten nur Vormittag oder im Handelshafen.

Immigration:     Befindet sich am Flughafen.

Kourou:

Zoll (Douane):   Im Industriehafen an der Rue du Port de Pariacabo ganz beim Wasser auf der rechten Seite. Öffnungszeiten nur Vormittag. Am besten mit dem Bus oder dem Taxi.

Immigration:      nicht vorhanden, jedoch auch für Nicht-EU-Bürger kein Problem.

Saint Laurent Du Maroni:

Zoll (Douane):   Die Vordrucke gibt es in der Marina. Der Zoll selbst ist an der Rue Sarrault (drittes Haus rechts, sehr klein und schwer zu finden)

Immigration:     Am Port de I´Ouest, da wo die Fähren nach Surinam ablegen

 

Beschreibung der Liegeplätze und der Infrastruktur:

CAYENNE, DEGRAD DES CANNES:

Cayenne ist die erste, von Europäern gegründete Ansiedlung und heutige Hauptstadt von Französisch Guyana. Natürlich handelte es sich auch um den wichtigsten Hafen an der Mündung des Riviere de Montsinery. Jedoch ist dieser im Laufe der Zeit versandet und schon lange für die Großschifffahrt unbrauchbar geworden. Heute können auch nur mehr Segelboote mit einem Tiefgang um einen Meter den Hafen anlaufen und selbst dies wird nicht mehr gerne gesehen. Unsereins soll den kaum fünf Meilen südwestlicher gelegenen, gut betonnten und ausreichend tiefen Riviere le Mahury anlaufen und sich bei der kleinen Ortschaft Degrad des Cannes, gleich westlich vom Industriehafen hinlegen. Die Marina ist meistens von französischen Langzeitliegern belegt, jedoch man ankert gut unmittelbar danach und kann die Infrastruktur mitbenutzen. Leider ist der Weg nach Cayenne weit und relativ umständlich. Die nächste öffentliche Busstation ist rund zwei Kilometer weit entfernt. Die meisten französischen Langzeitlieger haben ein Auto und nehmen einem gerne mit oder man nimmt sich einen Mietwagen. Cayenne bietet alles was das Seglerherz begehrt. In der großen Industriezone „Zone Industrielle Collery Est / Quest“, kaum drei Kilometer südlich von Cayenne gibt es neben einem großen Carrefour und mehreren kleineren Supermärkten auch eine Menge Geschäfte und Firmen für den technischen Bedarf. Cayenne selbst ist ein netter kleiner Ort, mit vielen hübschen und gut erhaltenen Kolonialzeitgebäuden und einem großen Markt.

ILES DU SALUT:

Kaum 30 NM nördlich von Cayenne liegt die Inselgruppe Iles Du Salut, sie besteht aus drei Inseln der Ile Du Diable, der Ile Royale und der Ile Saint Joseph. Der Hauptankerplatz liegt südlich der Ile Royale. Der Ankergrund besteht aus gut haltendem festen Schlick. Dort liegen im Osten auch einige Bojen der Ausflugskatamarane welche von 18:00 – 08:30 benutzt werden können aus. Dieser Ankerplatz ist jedoch oft sehr rollig, da die Wellen von Süden kommen. Ausweichend kann man auch sehr nahe vor Ile Saint Joseph bei felsigem Grund ankern, meist jedoch ist es dort auch nicht viel besser. Die dritte Möglichkeit ist vor Ile du Diable, dort ist der ruhigste Ankerplatz. Jedoch auch sehr weit weg von den Dinghyanlegestellen. Anlanden mit dem Dinghy an Ile Royale und Saint Joseph ist einfach, da es gute Stege für die vielen Ausflugskatamarane gibt.  Ile du Diable dagegen ist etwas schwierig. Wasser und Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine, jedoch ein teures Hotel/Restaurant auf Ile Royale mit einer Basisversorgung für die Ausflügler.

 

KOUROU:

Kaum drei Meilen südlich von den Iles du Salut beginnt der Einfahrtskanal nach Kourou. Da viele Raketenteile für das Centre Spatial Guyanaise hier eintreffen  ist der Kanal sehr gut gekennzeichnet, weit  und hat auch bei Niederwasser mindestens vier Meter Wassertiefe. Dem Kanal folgend, immer auf das auffällige Hotel am Pointe des Roches zu, gelangt man nach ca. vier Meilen in den Flusslauf, diesem kaum eineinhalb Meilen weiter folgend sind gleich nach dem Kardinalen Südquadranten zwei Steganlagen erkennbar. Der Erste ist die zum Centre Spatial Guyanaise gehörende kleine Marina, für Besucherjachten und Ausflugskatamarane. Der zweite Steg gehört den örtlichen Fischern. Gleich danach kann man gut auf ca. vier Meter ankern, der Grund ist fester Schlamm. Aufgrund der Gezeitenströmungen ist auf ausreichend Abstand zu anderen Booten und dem Fahrwasser zu achten. Die kleine Marina ist vor allem von französischen Langzeitliegern und Ausflugskatamaranen belegt.  Außerdem ist sie nur im äußersten Bereich tief genug für Kielyachten. Jedoch kann man, wenn die Ausflugskatamarane weg sind an der Stirnseite anlegen und Wasser tanken. Bei größeren Mengen wird eine Gebühr verlangt, wenn man nur einige Kanister nimmt ist es jedoch kostenlos. Es befindet sich dort auch eine Tankstelle für Diesel. Das Dinghy kann man jederzeit am Steg der bewachten Marina lassen, sollte es aber trotzdem sicherheitshalber absperren. In den dazugehörigen Gebäuden befindet sich auch eine Touristinformation, jedoch mit sehr begrenzten Öffnungszeiten. Neben dem benachbarten Fischersteg ist auch gleich der örtliche Fischmarkt. Von dort kommt man direkt in die  Avenue General de Gaulle, der Hauptstraße von Kourou – auch wenn man es nicht glauben würde! Kourou ist eigentlich kein schöner Ort, jedoch aufgrund der Liegeplätze in Stadtnähe sowie der guten Infrastruktur, der beste Liegeplatz in FG. In der Av. General de Gaulle gibt es einige Lokale und kleinere Geschäfte, sowie den zentralen Markt welcher Dienstag, Freitag und Samstag  mit frischem Obst und Gemüse aufwartet. Dort ist auch die zentrale Station der drei Buslinien, für 1,50 €/Pers. kommt man ins Industriegebiet Z.I. de Pariacabo mit einem Lider Price Supermarkt, einem Bootszubehörhandel, einem Hardwarestore und diverser Autovermietungen. Auch kommt man leicht zum größten Supermarkt, dem Super-U beim Rond Point Monnerville oder der Münzwäscherei am Place de la Condamine in Simarouba.

 

SAINT LAURENT DU MARONI:

Dem Grenzfluss nach Surinam entlang, dem Moroni-River, geht es nach Sant Laurent. Vom Beginn des Kanals bis in den Ort sind es knapp 25 NM.  Der Kanal ist betonnt, jedoch sind die Abstände ziemlich groß und der Verlauf nicht immer klar erkennbar. Man muss sich auf jeden Fall ganz nah an der französischen Seite halten, zum Teil keine 20m von der Uferböschung entfernt. Besonderes Augenmerk ist auf die unzähligen Netze, welche die Fischer bis weit in das Fahrwasser hinein postieren, zu legen. Die Karten, vor allem die elektronischen, sind ungenau bzw. nicht detailliert genug. Außerdem ändern sich im Laufe der Zeit die Positionen der Sandbänke, welches ein oftmaliges Nachsetzen der Fahrwasserbojen nötig macht. Aus diesen Gründen ist eine Anfahrt bei Nacht nicht anzuraten. Einlaufende Strömung macht die Ansteuerung natürlich bequemer.  Sollte die Strömung vorzeitig brechen, kann man praktisch überall außerhalb des Fahrwassers ankern und abwarten, jedoch ist die Strömung im Allgemeinen nicht allzu stark. Hat man St. Laurent erreicht, fällt sofort eine kleine vorgelagerte, stark bewaldete Insel ins Auge, diese ist in Wirklichkeit das Wrack des Frachters Edith Cavell. Rund um das Wrack kann man überall ankern. Jedoch hat David Anfang 2015 begonnen eine kleine Marina aufzubauen und zu diesem Zweck 20 Bojen gelegt, diese nehmen leider die besten Ankerplätze in Beschlag. Es ist angeraten eher flussabwärts des Wracks zu ankern, da flussaufwärts große Felsen und starke Strömungen das Liegen erschweren, ein Mindestabstand von 150 Metern von den Bojen ist einzuhalten. Das Dinghy kann man am kleinen Pier gegenüber des Wracks liegen lassen, es wird jedoch angeraten es immer abzusperren und in der Nacht ohne Motor an Land zu rudern. Gutes Trinkwasser kann man vom nahegelegenen „Transportation Museum“ holen, am Pier gibt es keines! Die Bojen kosten pro Tag € 8,- und ob Bojenlieger oder nicht,  kann man eine temporäre Mitgliedschaft um € 5,- pro Schiff und Jahr abschließen, dann gibt es ein Wäscheservice um € 0,50/kg, das Bier im zugehörigen Lokal kostet nur € 1,-, WiFi kostet € 5,- /Woche. Sie füllen Gasflaschen und es gibt ein Transportservice. Bei technischen Problemen kann David einiges organisieren. Geplant ist bis Ende 2016 ein Steg für rund 40 Schiffe sowie ein großzügig angelegtes Restaurant an der Waterfront.

 

Kontaktdaten:  Port de Plaisance – Marina St. Laurent du Maroni

1 Esplanade Laurent BAUDIN

BP 230, 97393 St. Laurent du Maroni Cedex, French Guiana

Ansprechpartner: David

Tel.:                       +594 (0)694946157

Internet:             www.marinaslm.com

E-Mail:                 contact@marinaslm.com

UKW:                    72

 

Mit einer der unzähligen Pirogen kann man um € 3,- über den Fluss nach Albina in Surinam fahren. Solange man den Ort nicht verlässt, kann man auf die Formalitäten verzichten. In Albina kann man sehr kostengünstig einkaufen, dies gilt für Proviant, Kraftstoff oder auch Außenborder.

 

Autoren:

Barbara und Christoph Einspieler

SY-Taurus / Österreich / Wien

www.sytaurus.com

Stand: 09.2015