Newsflash: SY Taurus ist nun seit mehr als 2 Jahren unterwegs!
Ein Jahresrückblick der anderen Art im Logbuch ...

Sonnenuntergang über Fakarava-Süd

Bereits in der Vorwoche hatten unsere beiden Gastgeber ja die Bekanntschaft von Manihi und Tila gemacht und so sind wir dann alle gemeinsam auf einen Tratsch zum Moto Aito gefahren. Manihi hatte gerade sein Motorboot mit dem neuen 300PS Außenborder zum reparieren in der offenen Bootsgarage aufgebockt und der Techniker hat daran herum gewerkt. Babsi sieht einen Holzbalken im Wasser treiben und fischt ihn heraus. In diesem Moment fängt das Schiff an zu rutschen.

Manihi u. Christoph

Zum Glück war der Mechaniker gerade nicht hinter dem Motor, denn sonst wäre er sicher erdrückt worden. Mit vereinten Kräften von sechs Männern, einer Frau und einer mutigen Ente ist es gelungen, das Schiff wieder halbwegs in eine stabile Lage zu bringen, aber arbeiten auf dem Schiff war dann nicht mehr möglich. Bei der nächsten Flut wurde dann das Boot wieder zu Wasser gelassen und Manihi, der Mechaniker, Christoph und Andi sind zu einer Probefahrt rausgefahren, um den reparierten Motor auszuprobieren. Mit 55kn (ca. 100km/h) sind sie über die Wellen geprescht – was für eine Geschwindigkeit.

und mal wieder eine Fischtafel

Zum Angeln war dies natürlich ein bisschen zu schnell, aber da gerade noch Freunde auf Besuch waren, sind sie mit dem eigenen Boot zum Tiefseeangeln vor das Atoll gefahren. Aus 350-400m Tiefe haben sie eine ganze Kühlbox voll Fische herausgeholt und am Abend waren wir alle zum großen Fischschmaus eingeladen. Scheinbar dürften auch die Riffhaie dies überrissen haben, denn nach dem Essen hat das Wasser gekocht, als sie sich um die Reste und Fischabfälle gerauft haben.

der Kampf um die besten Stücke beginnt

Obwohl es hier wunderschön ist und ein Tauchgang schöner und interessanter als der Andere ist, müssen wir doch leider weiter, denn drei Wochen sind eine sehr kurze Zeit und Tahiti ist noch weit weg. So verabschieden wir uns von unseren Freunden und fahren heute durch den Nordpass weiter zum Toau-Atoll in die Amyot Bay.

Alles Liebe wünscht euch
Crispy Duck

mein Name ist Crispy Duck

Ich darf mich mal vorstellen – mein Name ist Crispy Duck, ich bin eine kleine gelbe Gummiente und reise mit meinem persönlichen Butler Andi. Doch bevor wir uns auf unsere lange Reise in die Südsee machen konnten, musste noch einiges zum Mitnehmen organisiert und besorgt werden. Endlich sind wir nach 20 Stunden Flug über Paris und Los Angeles am Samstag früh morgens in Papeete gelandet. Nach einem Tag zum Akklimatisieren und für die Besichtigung der Stadt, ist es am nächsten Tag mit einem kleinen Inselhopser weiter nach Fakarava zu Christoph und Barbara gegangen.

unser Freund Andi

Der Flug war kurz aber wunderschön, herrlich haben die türkisen Riffe und weit verstreuten Korallenköpfe im aquamarin blauen Meer unter uns geleuchtet und im Pass des Atolls hat man die weißen Schaumkronen der Strömung gut erkennen können. Und dann waren wir auch schon da – die Beiden sind lachend und braungebrannt an der Absperrung des Flugfeldes gelehnt. Alle Anderen wurden mit Autos abgeholt, wir jedoch ganz exklusiv mit dem Schiff. Einladend hat die Taurus am Anker im smaragdgrünen Wasser direkt vor dem kleinen Flughafen gewartet. Rasch waren wir, obwohl es doch ordentlich geschaukelt hat, trocken und wohlbehalten mit dem Dinghy an Bord gekommen und es ist schon nach Rotoava, dem Hauptort des Atolls gegangen, denn dort liegt man um einiges ruhiger und sicherer als vor dem Flughafen (sonst werde ich noch seekrank).

selbstgefangenes schmeckt einfach besser

Noch bevor es dunkel wurde, haben wir unsere Taschen geleert und haben den Beiden Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einmal beschert. Viele technische Dinge sind einfach außerhalb Europas schwer zu bekommen oder unverhältnismäßig teurer. Ganz besonders haben die Äuglein der Beiden bei dem “kleinen Mannerschnitten-Vorrat” zu leuchten begonnen, der aus den Tiefen des Gepäcks aufgetaucht ist. Montagmorgen haben wir Segel gesetzt und sind Richtung Süden gefahren, jedoch nur zirka die halbe Strecke, denn dort sind wir vor einem unbewohnten Motu schnorcheln gegangen und haben am Abend am Strand gegrillt.

und immer schön entspannt

Leider war die Korallenbank doch nicht so unbewohnt wie wir zunächst dachten, denn bei Sonnenuntergang sind ganze Schwärme Nonos (winzig kleine Fliegen, die verdammt beißen können) über uns hergefallen, sodass wir bald den Rückzug auf unser unverseuchtes Schiff angetreten haben. Trotzdem war es einmalig schön, im Sand vor einem offenen Feuer aus Kokosnussschalen zu liegen und den unendlichen Sternenhimmel mit seinen unzähligen Sternschnuppen zu betrachten.

Patroullie

Dienstag sind wir dann in Tetamanu am Südpass des Atolls angekommen. Schon beim Ankern wurden wir von einigen neugierigen Riffhaien umschwommen und beim Schnorcheln haben wie uns auch permanent begleitet (ob die wohl auf Entenbraten scharf sind?) Heute Morgen, bei einlaufendem Wasser, haben wir die Tauchflaschen geschultert und sind im Pass abgetaucht. Unglaublich – Hunderte Haie sind dort in der Strömung gestanden und dazwischen eine Vielzahl an bunten Rifffischen. Gemütlich haben wir uns durch den Pass treiben lassen und sind in der Sandlagune von Tetamanu Village aufgetaucht.

einfach faszinierend

Man glaubt es kaum, aber da wurden wir doch glatt von Willy, einem Oberösterreicher aus Gmunden angesprochen, der hier mit Freunden für eine Woche Urlaub macht. Da uns diese Fischvielfalt Appetit macht, fangen wir uns noch ein paar von ihnen, die dann gleich am Abend mit unserer Bratpfanne Bekanntschaft machen dürfen. So viel Sonne und Wind machen unglaublich müde und so schlafen wir bei dem leichten Schaukeln unglaublich gut.

Alles Liebe wünscht euch
Crispy Duck

Tetamanu

Nun kann uns ja kaum mehr was erschüttern, souverän schlängeln wir uns mit 3kn mitlaufender Strömung durch die Tauchboote, die auf ihre Gäste warten und legen uns in die ruhige Lagune bei Tetamanu. Es ist kaum zu glauben, dass nur wenige Meter entfernt die unzähmbaren Pazifikwellen an die Korallenbank donnern und wir geschützt, durch einen wenige Meter breiten Sandsaum, nur sanft dahin schaukeln. Das einladend klare türkis-blaue Wasser lockt uns natürlich (außerdem ist es s…heiß) und wir springen sogleich ins Wasser und schnorcheln mal die Korallenköpfe rund um unseren Ankerplatz ab.  Hier haben sich in den letzten Jahren einige kleine Resorts angesiedelt und auch zwei Tauchbasen bieten ihre Dienste an.

direkt zu unseren Füßen

Am Nachmittag fahren wir mit dem Dinghy zu einem dieser Guesthouses mit Tauchbasis und bei einem kühlen Bier reden wir mit einem der Tauchguides über die Konditionen und Tauchplätze in der Umgebung. Eigentlich wären wir ja gerne mal vor den Pass gefahren und von dort aus getaucht, aber dafür ist unser Dinghy zu schwach und die Wellen zu ruppig. Da es hier keinen Preisunterschied gibt, ob man eigenes Equipment mitbringt oder sich alles ausborgt sehen wir davon ab, denn € 60,– nur für 5 Minuten Bootsfahrt ist eindeutig weit über unserer Schmerzgrenze. So packen wir am nächsten Morgen unsere Tauchsachen ins Beiboot und fahren bei Stillwasser in den Kanal. Schön blöd gucken die professionellen Anbieter, als wir unsere Tauchflagge hissen und uns aus unserer Nussschale ins Wasser fallen lassen. Wie eine Wand stehen Hunderte Haie in der Strömung des Kanals und dazwischen paddeln riesige Napoleons und Mantas gemächlich dahin. Immer wieder legen wir uns auf den Grund und beobachten das grandiose Schauspiel.

unser Mittagessen ...

So viele unterschiedliche Haiarten haben wir noch nie auf einem Fleck gesehen – Grauhaie, Ammenhaie, Leopardenhaie, Zitronenhaie und die allgegenwärtigen Schwarz- und Weißspitzenriffhaie. Man vergisst fast die farbenfrohen Korallen und kleinen Fischerln zu beachten, so überwältigend ist dieser Anblick den man beim Dahingleiten in der Strömung hat. Damit wir auch nach dem Auftauchen wieder mobil sind, führen wir immer unser “Tauchboot“ an einer langen Leine mit uns. So verbringen wir die nächsten paar Tage nicht nur relaxt mit tauchen und schnorcheln, sondern auch mit Um- und Aufräumen, denn unser Besucher naht mit großer Eile und noch ist kein Platz für ihn in der Heckkabine freigeschaufelt (tja, zwei Jahre lang ist immer nur alles einfach runter geräumt worden – war ja auch genug Platz da). Eigentlich fahren immer dieselben Motorboote an uns vorbei und man grüßt sich zumindest auf die Entfernung. Nach ein paar Tagen bremst sich jedoch ein schnittiger blauer Flitzer ein und der Fahrer ruft rüber, ob wir nicht auf einen Kaffee kommen wollen. Da es für diesen Abend leider schon zu spät ist und wir außerdem noch unseren Kompressor für die Tauchflaschen anwerfen wollen verschieben wir den Besuch auf den nächsten Tag. Mahini und Tila führen auf dem kleinen Motu Aito mit sehr viel Liebe zum Detail ein entzückendes Anwesen mit einigen Bungalows für Gäste. Beide sprechen, da sie einige Zeit in Neuseeland gelebt haben,  perfekt englisch, was die Kommunikation um einiges erleichtert.  

... kommt auf den Tisch

Mahini fährt diesen Abend mit seinen Gästen zum Hochseefischen raus und nimmt Christoph mit. Bereits nach kürzester Zeit haben sie einen schönen Thunfisch gefangen und wir sind am nächsten Tag zum Sashimi-Essen eingeladen – Gott war das lecker!!!! Aber leider sollten wir weiter, denn am Donnerstag kommt das Versorgungsschiff nach Rotoava und am Sonntag unser lieber Freund Andi und wir sollten noch so einiges einkaufen und erledigen, aber Eile mit Weile – es geht sich schon alles aus.  Am Donnerstag ist bereits früh morgens das erste Schiff am Pier gelegen, hat aber kaum etwas ausgeladen. Das zweite Schiff zu Mittag war dafür umso voller und am Abend waren die Regale der beiden Magazine wieder gut bestückt. Die Früchtevielfalt, die wir aus Gambier gewohnt sind, gibt es hier jedoch nichtmehr, wenn man was bekommt ist die Qualität mäßig und die Preise sehr hoch. So müssen wir uns unsere Vitamine und Mineralstoffe eben über selbstgefangenen Fisch holen und die letzen Grapefruits und Zitronen aus Gambier genießen wir umso mehr.

Tahanea Pass

Und wieder einmal haben wir uns erfolgreich eine Nacht um die Ohren geschlagen und kommen genau richtig zu Sonnenaufgang in Tahanea, einem relativ weitläufigen aber unbewohnten Atoll an. Eigentlich wäre ja laut unseren Unterlagen erst um 10 Uhr der Gezeitenwechsel und somit keine Strömung in der Riffeinfahrt, aber die See ist so ruhig, dass wir uns schon früher an die Passage ran tasten. Zu unserer Begrüßung tauchen sogar ein paar Delphine auf (die Ersten im Pazifik) und mit nur 2 kn Gegenströmung schieben wir uns gemächlich in die türkisgrüne Lagune. Da es hier keine Infrastruktur gibt, fahren viele Segler dran vorbei und gleich weiter nach Fakarava. Wir aber genießen die Einsamkeit und fast unberührte Natur. Hier sind die Fische so zutraulich, dass man sie fast anfassen kann und fangen sowieso.

Wegbegleiter

Ciguatera gibt es in diesem Atoll, da es unbewohnt und kaum bewirtschaftet ist, zum Glück nicht. Wir harpunieren ein paar schöne große Zackenbarsche und Papageifische, sind aber sehr vorsichtig, denn unter den vielen Riffhaien befinden sich auch ein paar größere Grauhaie die uns durch diese traumhafte Unterwasserwelt begleiten und die lieben Fischschaschlik wie wir wissen. Gegen Abend versuchen wir unser Glück auch noch mit der Angel – binnen 5 Minuten haben wir drei schöne Doktorfische an Bord gezogen, die gleich in der Bratpfanne landen. Es gibt hier zwar Kokospalmen, aber leider hängen derzeit keine frischen grünen Nüsse dran, denn so ein prickelndes Kokoswasser als Sundowner ist schon was Leckeres. Da der Wetterbericht immer leichter werdenden Wind aus NO prophezeit brechen wir bereits nach zwei wundervollen Tagen im Tahanea-Atoll am späten Nachmittag wieder auf. Es sind ja nur 50sm bis Fakarava und die sollten sich gemütlich bis in der Früh ausgehen. Der Wind spielt auch mit und so gleiten wir mit 5kn durch die sternenklare, aber absolut dunkle Neumondnacht dahin. Gegen 3 Uhr mache ich noch eine Positionsbestimmung und reffe die Segel, damit wir nicht zu früh ankommen. Schon bald sehe ich die ersten Leuchtfeuer, denn Fakarava ist eines der größten Atolle in den Tuamotus. Irgendetwas kommt mir komisch vor und immer wieder sehe ich auf unsere elektronische Seekarte und wundere mich merkwürdiger weise nicht, dass wir kaum näher kommen.

kleine Auswahl für`s Abendessen

Gegen 5 Uhr, gerade als die Morgendämmerung einsetzt und man seine Umgebung wahrnehmen kann, trifft mich fast der Schlag. Ich kann sogar schon die einzelnen Palmen auf der Insel vor uns erkennen, obwohl wir laut Karte noch 6,91sm entfernt sein sollten. Gerade kann ich noch Christoph aufwecken und da hören wir auch schon das Brandungstosen und der Tiefenmesser zeigt plötzlich nur mehr 7m an – Bullenstander auf, Motor gestartet, das Ruder rumgeworfen und möglichst schnell weg. Zu allem Überdruss verhängt sich auch noch unsere Schleppangel, aber reißt dann zum Glück ab. Wir hoffen nur, dass sie sich nicht um unsere Schraube gewickelt hat, sondern in den Korallen hängen geblieben ist. Nach diesem Adrenalinschock realisieren wir erst, wie knapp wir dem Totalverlust unseres Schiffes nahe gewesen waren. Nur mehr 150m oder 1 Minute hätten wir Zeit gehabt – da sind uns wirklich alle Schutzengerln, Meeresgötter und sonstigen guten Geister beigestanden. Das einzige Glück war, dass ich bereits vorher die Fahrt reduziert hatte und wir wirklich erst beim ersten Morgengrauen vor dem Motu gestanden sind (obwohl zugegebener Weise viel zu nah), denn etwa eineinhalb Stunden zuvor ist das Programm der elektronischen Karte abgestürzt und mir ist dies nicht aufgefallen (typisch Frau, kein technisches Verständnis, aber dafür gesunden Menschenverstand).

und den hätten wir fast nicht mehr miterlebt

So sind wir noch etwa eine Stunde vor dem Südpass Fakaravas gekreuzt, haben auf die richtige Strömung gewartet, uns von dem Schock erholt und versucht zu analysieren wie dieser Fehler passieren konnte. Eins weiß ich sicher, so ein Fehler darf nicht mehr passieren, auch wenn der Kopf noch so müde ist, denn der nächste Fehler kann vielleicht fataler ausgehen und nicht nur einen verlorenen Oktopus mit Haken kosten.

Regenwetter

Wie sollte es denn auch anders sein, einen Tag bevor wir ankommen ziehen schwere Gewitter auf und der Wind bläst uns mal wieder direkt auf die Nase. So kämpfen wir gegen die Zeit, denn wir wollen noch zum Gezeitenwechsel kurz vor Sonnenuntergang durch die Riffeinfahrt kommen. Nicht zum ersten Mal beobachten wir das Phänomen, dass Gewitterwolken auch gegen die Windrichtung ziehen können und genau so ein Schauer erwischt uns direkt vor der Riffpassage – sehr unangenehm, wenn man plötzlich nichts mehr sieht und die Strömung einem durch die kabbelige See in die Lagune zieht. Direkt vor dem “Hauptort” werfen wir Anker und fünfzehn Minuten später ist es bereits stockduster. Zum Glück mal wieder rechtzeitig geschafft, aber diese Passage ist zum Glück einfach, breit und gut befeuert.

Pass in die Lagune von Makemo

In der Früh springen wir erst mal ins Wasser, denn es wird jetzt von Tag zu Tag heißer und schwüler, aber auch das Wasser ist mit 28°C kaum eine Abkühlung mehr. Hier haben wir uns auch mit Heidi und Nicolas von der Fleur de Sel verabredet, die wir bereits in Rio de Janeiro, Buenos Aires und Valdivia getroffen haben. Also kurz noch im Supermarkt vorbeigeschaut und frisches Bier und was zum Essen besorgt, denn dann sehen wir schon ihre Segel am Horizont auftauchen. Viel gibt es wieder zu erzählen und zwei Tage sind im Flug vorbei. Leider kreuzen sich diesmal unsere Wege nur, denn die Beiden kommen gerade von Tahiti und fahren weiter in die Marquesas, aber höchst wahrscheinlich sehen wir uns auf unserem gemeinsamen Weg Richtung Westen wieder.

unser eigener Strand in Makemo

Eine knappe Woche haben wir nun in einem der größten Atolle der Tuamotus verbracht, immer alleine vor einsamen Inseln, haben selbstgefangene Fische am Strand gegrillt oder sind in den Korallengärten geschnorchelt. Nun nützen wir den angenehmen Ostwind aus und schauen, dass wir weiter nach Tahanea kommen.

Das gemeine ist, dass man auch wenn man in einem traumhaften Südseeatoll liegt, immer schauen muss das traute Heim am Schwimmen zu halten. So rinnt einem der Schweiß in die Augen und man sieht nicht viel von den umstehenden Palmen – na ja, ganz so schlimm ist es ja auch wieder nicht, denn wir können nur in den frühen Morgenstunden richtig arbeiten, denn dann wird es zu heiß und die Sonne verbrennt einem ganz schön den Pelz.

viel Schweiss ist der Preis

Da die Reparatur der Bugluke relativ gut von der Hand gegangen ist, haben wir auch gleich die zweite Luke in Angriff genommen. Leider hat sich die aber viel widerspenstiger gezeigt. Mit viel Schweiß und Spucke haben wir so die ganze Woche geschuftet, aber jetzt ist hoffentlich wieder alles dicht. Auch Herwig und Veronika haben sich von unserem Arbeitsanfall anstecken lassen und ihr Cockpitdach erneuert. So haben jeden Morgen die Maschinen geheult und der Schweiß ist in Strömen geronnen, dann war Pause und am Nachmittag sind wir auf die Jagd nach unserem Abendessen gegangen. Wenn wir erfolgreich waren (und das waren wir meist) ist am Abend ein romantisches Lagerfeuer entzündet worden und wir haben unseren Fang gegrillt. Nicht immer kann man seine ganze Beute sicher an Bord bringen, denn die Haie lernen schnell. Sobald sie eine Harpune sehen oder das typische Geräusch des Schusses hören kommen sie in Scharen und versuchen ihren Anteil zu fordern. So kommt es schon mal vor, wenn das Dinghy nicht gleich zur Hand ist, dass sie blitzschnell den Fisch vom Pfeil fressen. So gehen wir meist zu zweit ins Wasser – Christoph schießt und ich schleppe das Beiboot mit und bekomme fast einen Herzinfarkt wenn die gierigen Biester zu nahe kommen.

noch nicht von den Haien gefressen

Beim Tauchen haben wir ja kein Problem mit diesen Tieren, aber wenn (Fisch)Blut im Spiel ist werden sie einfach unberechenbar. Wir haben Haie auch schon normal bei der Jagd beobachtet und ihre Schnelligkeit und Brutalität ist schon beängstigend. Aber keine Angst, sobald welche über zwei Meter auftauchen, überlassen wir ihnen das Feld und ziehen uns unauffällig zurück. Auch beim Angeln aus dem Dinghy kommen sie sehr nahe und versuchen den Köder vom Haken zu fressen oder zeigen sehr großes Interesse am Boot. So bekommt schon mal einer eine übergezogen wenn er meint, dass unser Paddel eine Brettljause ist. Da heute endlich mal halbwegs passender Wind ist und wir ja bereits in drei Wochen Besuch erwarten sind wir mal wieder on tour Richtung Makemo!

wenig aber doch

Freitagmorgen haben wir nun endlich unser Ziel, die Insel Amanu im Tuamotus-Archipel, erreicht. Bereits seit einigen Tagen sind wir im Funkkontakt mit Herwig und Veronika von der österreichischen Yacht Alchemist, die uns hier schon sehnsüchtigst erwarten. Noch die ganze Nacht sind starke Gewitter mit heftigen Böen herumgezogen und dementsprechend gewaltig ist die Dünung direkt in die schmale Riffeinfahrt gestanden. Gerade richtig zu Slagwater (Wechsel zwischen Ebbe und Flut – d.h. fast keine Strömung) kommen wir in die Nähe des Passes – und was sehen wir – die beiden stehen unerschrocken in ihrem Dinghy mitten in der unruhigen Passage und dirigieren uns zwischen den Korallenköpfen in die Fahrrinne. Wir hätten zwar GPS-Punkte und Tracks für die Einfahrt gehabt, aber eine persönliche Betreuung ist da schon sehr viel beruhigender, denn bei ruppiger See und bedecktem Himmel hat man Nullsicht auf die Untiefen und nur auf die Karten vertrauen wir sehr ungern. So haben wir alles wasserfest gemacht und verriegelt und sind auf den brechenden Wellen mit der einlaufenden Strömung durch den Pass gesurft.

Christoph und sein neuer Freund

Ausgeatmet haben wir erst, als wir ruhig in der Lagune geschaukelt sind. Ohne die Beiden wären wir höchstwahrscheinlich weitergefahren oder hätten so lange vor der Insel gewartet bis die Bedingungen besser geworden wären. So haben wir endlich nach 10 Tagen und knappen 700sm (statt 450sm) unseren Anker in der türkisblauen Lagune fallen lassen und uns ein Nickerchen gegönnt, denn die letzten Tage waren doch sehr anstrengend. Bereits zu Mittag waren wir wieder fit und Christoph hat unsere undichte Bugluke demontiert, was sich als gar nicht so einfaches Unterfangen herausgestellt hat, da der Schiffsbauer sie so blöd eingepasst hatte, dass die meisten Schrauben direkt unter einer tragenden Stahltraverse versteckt waren, aber mit ein bisschen fluchen und schimpfen ist es schon gegangen. Uns hat ja fast der Schlag getroffen, als wir gesehen haben wie viel Rost sich da bereits drunter versteckt hatte, also alles abkratzen, schleifen, grundieren usw. – ein Werk für die nächsten 3-4 Tage. Zum Glück ist Sonnenschein und Flaute angesagt – warum erst jetzt?!? Nach getaner Arbeit haben uns Herwig und Veronika auf einen Begrüßungsschluck eingeladen und wir haben geplaudert und gequatscht.

Herwig u. Veronika / SY-Alchemist

Irgendwann wurde der Himmel heller und wir waren der Meinung, dass der Mond aufgeht, aber es war bereits die Sonne. So haben wir erst im Morgengrauen wieder zurück auf unser Schiff gefunden und am nächsten Tag waren wir alle vier etwas neben der Rolle (wir sind halt auch nicht mehr so jung und ein paar Drinks waren es doch auch). Heute sind wir gemeinsam zum SO-Pass gefahren, um dort ein wenig am Aussenriff zu schnorcheln oder zu tauchen und wollten am Abend unsere gefangen Fische am Lagerfeuer grillen. Nur leider gibt es hier zwar wunderbare Korallen, bunt-schillernde Nacktschnecken und Unmengen an Haien, aber kaum essbare Fische. So haben wir uns diesmal bei uns an Bord zusammengesetzt und ich habe für uns ein leckeres Hühnerfrikassee gezaubert – es muss ja nicht immer Fisch sein. Bis zum nächsten gescheiten Ostwind werden wir hier bleiben – und für die nächsten paar Tage ist sowieso nur Flaute angesagt.

“Autsch, verd…” – schon wieder kracht eine Welle an die Bordwand und wirft alles, was nicht eh schon am Boden liegt, runter und mich mal wieder gegen die nächste Kante. Bereits seit vier Tagen schaukeln wir von einem Gewitter zum nächsten. Sobald wir die Nase aus dem Niedergang strecken sehen wir nur Weltuntergang rund um uns, trotzdem versuchen wir irgendwie weiter zu kommen und nützen jede auch nur so kleine Möglichkeit d.h. Segel setzen und reffen und eine Wende nach der anderen, damit wir nicht zu viel an mühsam erkämpften Weg wieder verlieren.

Windhose

Eigentlich hätte laut Vorhersage die ersten drei Tage guter Ost-Wind sein sollen, aber bereits am Donnerstag hat der Wind auf NW gedreht mit Gewittern und sintflutartigen Regengüssen. Normalerweise bräuchten wir für die 450 sm zu den Tuamotus ca. 3-4 Tage, aber nun kreuzen wir bald eine Woche genau gegen den Wind und ein Ende lässt sich noch nicht absehen, da der Wetterbericht auch für die nächsten Tage keine Besserung sondern eher noch mehr Wind auf die Schnauze ansagt. Zu allem Überfluss ist auch noch unsere Bugluke undicht geworden und so ist bei jedem sintflutartigen Regenschauer und jeder Welle ein Rinnsal direkt in unser Bett geronnen. Christoph hat sich mit Sikaflex bewaffnet und ist ausgerückt die undichte Stelle zu finden, im Augenblick sieht es ganz gut aus, aber wer weiß wo als nächstes die Dichtungsmasse durch das Alter und die Sonne porös wird. Irgendwie hatten wir uns das Segeln in der Südsee entspannter und leichter vorgestellt, aber wir lassen uns nicht entmutigen, denn nur den Mutigen gehört die Welt!

Mount Duff, höchster Berg der Gambiers

Endlich sind wir wieder unterwegs und das Archipel verschwindet langsam hinter uns am Horizont. Wie schnell doch die Zeit vergeht – nun waren es doch zwei Monate die uns diese Inselgruppe im Bann gehalten hat. Je länger man bleibt, desto mehr Leute lernt man kennen und schätzen und umso schwerer fällt es dann aufzubrechen. So haben wir uns schweren Herzens von unseren Freunden verabschiedet und sind noch mit viel frischem Obst und Gemüse beschenkt worden.

genug Vitamine für die nächsten Tage

Da in den letzten Tagen schwere Gewitter über uns niedergegangen sind, hatten wir noch etwas gewartet, aber für die nächsten Tage sieht die Prognose nicht so schlecht aus – zwar nur leichter Wind, aber dafür schön aus O, für einen angenehmen Raumschotkurs. Das letzte Versorgungsschiff hatte kaum die Bedürfnisse der Bevölkerung nach den Feiertagen decken können und so war binnen kürzester Zeit alles ausverkauft und wir haben nicht einmal mehr Zwiebeln bekommen. Obwohl das nächste Schiff bereits für diese Woche angekündigt ist, wollen wir jedoch nichtmehr darauf warten. Gerade als wir durch den Pass fahren, kommt uns das Versorgungsschiff entgegen – so ein Mist, doch ein bisschen zu früh aufgebrochen. Jetzt wieder zurückfahren – nein, so wichtig ist es auch wieder nicht. Nach ein paar Meilen sehen wir plötzlich ein Segelschiff sehr flott hinter uns herkommen – das können nur Reinhard und Sandra mit ihrem Trimaran Ave Gitana sein. Aber wollten die nicht erst morgen Richtung Pitcairn aufbrechen? Mal kurz angefunkt und schon war es klar. Kurzfristige Planänderung – sie fahren zu den Marquesas und Reinhard meint, dass sie uns noch Zwiebeln bringen. Zuerst glaube ich an einen Scherz, aber da hängt schon Sandra mit einem Sackerl in der Hand am äußeren Schwimmer.

Ave Gitana verfolgt uns

Bereits beim zweiten Versuch klappt die Übergabe, obwohl die beiden Schiffe ja komplett verschiedene Ansichten über Geschwindigkeit haben (wir sind glücklich mit einem Etmal von 120sm und bei ihnen sind 350sm pro Tag mickrig). Noch ein kurzer Plausch unter Landsleuten – eine Fotostrecke für beide Schiffe und schon sind sie dahin. Neidvoll blicken wir ihnen hinterher, wie sie am Horizont verschwinden. Aber einen Trost gibt es – wir haben dafür weitaus mehr Komfort und Lebensraum an Bord.

Abschied von Reinhard und Sandra

Thierry mit seinen Kindern

Getaucht sind wir in den letzten Tagen nicht mehr für Thierry und Maria, aber dafür haben wir die Familie zu einem Segeltörn eingeladen. Man muss hier verdammt aufpassen, wann und vor wem man etwas sagt, denn gleich waren auch die Oma und die restlichen Familienangehörigen von der Idee begeistert und so schnell konnten wir gar nicht reagieren, wie plötzlich fünfzehn Personen am nächsten Tag auf unserem Schiff mitkommen wollten. Wir haben dann die Gesamtzahl auf zehn reduziert, denn sonst wird es beim Segeln verdammt eng an Bord. Noch in der Nacht haben wir den schweren Kompressor unter Deck gehievt (steht natürlich draußen, da wir ja fast jeden Tag die Flaschen füllen müssen) und alles Entbehrliche weggeräumt, damit die “Menschenmassen” irgendwo im Cockpit oder an Deck Platz finden. Bereits um 6 Uhr morgens standen Thierry und Maria mit ihren drei Kindern winkend an Land und Christoph hat sie mit Sack und Pack an Bord gebracht. Wir waren etwas verwundert, wo der Rest der Meute blieb, aber Thierry hat gemeint; ” heute nur die kleine Familie”. Erst einmal wurde gefrühstückt, aber nicht nur das, was wir vorbereitet hatten, nein sie haben noch schüsselweise gebratenen Reis, Steaks, Shrimps in Sahnesauce und Unmengen an Croissants und pain au chocolat mitgebracht, denn mit “leerem” Magen lässt sich hier ein guter Tag nicht beginnen (eigentlich hätten wir es vom Motu her schon wissen müssen).

auf Aukena bei Bernard

Am Weg haben wir in Aukena, einer pittoresken Felsinsel, einen Zwischenstopp gemacht und Freunde von ihnen besucht. Bernard und Marielou haben uns die Insel und ihre recht ansehnliche Zitronenfarm gezeigt. Zum Abschied haben sie uns einen ganzen Sack grüner Zitronen in die Hand gedrückt und wir mussten (durften) die Spezialität – 5 Jahre in Salz eingelegte fermentierte Zitronen – probieren. Uns war der Geschmack etwas zu exotisch, aber hier reißen sich die Leute drum und ein kleines Fässchen mit ca. 50l wird nach Tahiti um 240,– € verkauft (dort kostet es dann das Doppelte). Nach einem Bad in der türkisenen Lagune ist es dann weiter rund um Akamaru und zurück nach Rikitea gegangen. Uns machen Wellen ja nichts aus, aber unsere Gäste sind, sobald wir aus der Riffabdeckung waren, etwas blass um die Nase geworden und plötzlich sehr wortkarg (komisch, sie sind leidenschaftlich mit dem Motorboot unterwegs, aber segeln vertragen sie scheinbar nicht). Am Abend wurde noch auf allgemeinen Wunsch die Bordpizzeria eröffnet und auch Reinhard und Sandra von der Ave Gitana sowie unser englischer Neuzugang Ding von der Chiquita haben vorbei geschaut und sich meine Pizzen schmecken lassen.

glasklares Wasser und viele Fische

Am Sonntag waren wir dann bei Patrick und Alice zu einem großen Fest mit Kalb und Spanferkel am Grill und allerhand leckeren Schmankerln anlässlich eines Religionsübertrittes vom protestantischen zum katholischen Glauben eingeladen (ja man findet immer einen Grund zum Feiern). Dort trafen wir auch einen der Brüder von Maria mit seinen Kindern und er war schwer enttäuscht, dass er nicht mit uns segeln gehen durfte, denn Thierry hatte dem Rest der Familie erklärt, dass wir seine Freunde sind und sie einfach in der Früh zu Hause sitzen lassen (ehrlich gesagt waren wir ja froh, dass nicht alle auf einmal mitgekommen sind). Vorsichtshalber haben wir keine weitere Einladung mehr ausgesprochen, denn am Montag sind wir endlich zum südöstlichen Pass bei der Flughafeninsel Totegegie aufgebrochen um dort ein bisschen schnorcheln und Strömungstauchen zu gehen. Gemeinsam mit Reinhard und Sandra und Tin verbringen wir hier paradiesische Tage in glasklarem Wasser mit unzähligen Fischen (die sich herrlich am Strand grillen lassen) und unzerstörten farbenfrohen Korallenriffen.

ständiger Begleiter

Das einzige worauf wir aufpassen müssen sind die gierigen Haie, die sobald sie eine Harpune sehen bereit stehen um einem den Fang streitig machen zu wollen. Morgen geht es jedoch wieder zurück nach Mangareva, denn das Versorgungsschiff ist bereits eingetroffen und wir können jetzt unsere fehlenden Vorräte auffüllen und endlich zu den Tuamotus aufbrechen.

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