Newsflash: SY Taurus ist nun seit mehr als 2 Jahren unterwegs!
Ein Jahresrückblick der anderen Art im Logbuch ...

In der Nacht haben wir uns bereits unaufhaltsam der Osterinsel genähert. Leider hatten wir keinen sternenklaren Himmel, denn ein Gewitter hat das andere gejagt, aber dafür hatten wir wenigstens guten Wind. Als dann die Sonne golden hinter uns im Osten aufgegangen ist, hat sich für kurze Zeit die ganze bizarre Schönheit dieses einsamen Eilandes vor uns ausgebreitet, bevor alles wieder im Dunst verschwunden ist. Wie der holländische Admiral Roddeveen im Jahre 1722 zufällig an diese nur 117 km² kleine Insel inmitten dieses riesigen Ozeans gestoßen ist, grenzt schon an sehr viel Glück.

unser Begruessungskomitee

Denn die nächsten Nachbarn wohnen auf der Insel Pitcairn (auch nicht grad eine Metropole) und sind 1900 km (1000sm) entfernt und die südamerikanische Festlandküste ist 3700 km (2000sm) weit weg (also für einen sonntäglichen Kaffeklatsch ein bisschen zu weit). Als wir dann endlich auf Sichtweite waren, haben uns bereits die ersten Moais freundlich zugelächelt und uns in ihrem abgeschiedenen Reich willkommen geheißen. Noch immer ist diese Insel ziemlich kahl und braun, aber gelegentlich verleihen die vereinzelten kleinen Wäldchen und Palmenhaine doch ein paar Farbtupfer. Auf der gesamten Osterinsel gibt es keinen einzigen geschützten Hafen oder Ankerplatz, so sind wir die schroffe Felsenküste bis Hanga Roa (der Hauptstadt) gesegelt und haben uns dort die Gästeboje geschnappt. War gar kein so leichtes Unterfangen, denn sehr kurze Bojenleine und hoher Schwell sind eine schlechte Kombination, aber auch dies haben wir geschafft und sind dann mit unserem Dinghy an Land gesurft (anders kann man das nicht nennen, schon gar weil doch einige Surfer neben uns dieselben Wellen abgeritten sind).

erster Landgang

Halbwegs trocken angelandet haben wir dann die ersten Schritte auf dieser sagenumwobenen Insel gewagt und den Herren von der Armada unseren Pflichtbesuch abgestattet. Dort wurde erst einmal wieder viel Papier ausgefüllt und uns dann anschließend erklärt, dass die Boje nicht sicher ist und wir uns direkt vor Anker inmitten des Korallen- und Lavasteinfeldes nur ca. 100m vor der gefährlichen Brandung hinlegen müssen. Der winzige “Hafen” in Hanga Pika ist nämlich voll und außerdem für unseren Tiefgang sowieso nicht geeignet. Wir hatten aber Vertrauen zu unserer Boje, weil wir sie ordentlich eingefahren und auf Zug ausprobiert hatten und haben erst später unser Ankermanöver gestartet. Zuerst waren aber noch eine Erkundungsrunde und ein kühles Bier angesagt, denn nach 18 Tagen auf See und 2.400 sm hat man sich dies wirklich redlich verdient.

Farbenspiel mitten am Ozean

Als wir von Mar del Plata (Norden) nach Ushuaia (Süden) gefahren sind, war ein Zeitunterschied beim Sonnenaufgang kaum merklich (nur der normale jahreszeitliche Sonnenverlauf). Jetzt jedoch, bei unserem langen Schlag westwärts, merken wir fast täglich eine Änderung. An der Festlandküste haben uns die ersten Sonnenstrahlen bereits gegen 10 Uhr UTC wachgeküsst und nun graut der Morgen nicht vor 13 Uhr UTC, was unseren normalen Zeitrhythmus zugegebener weise etwas durcheinander bringt. Na ja, wir sind eben doch bereits über 30 Längengrade oder 1.700 sm gefahren. Aber egal wie, für uns ist es auf jeden Fall die richtige Richtung, denn es wird zusehends wärmer. Gestern haben wir die 100° West überfahren und das Wasser hat jetzt keine eisigen 12-14°C mehr sondern bereits “heiße” 18°C und die Luft ebenso.

aus ALT mach NEU

Langsam schälen wir uns aus unseren Hüllen und suchen bereits in den Schapps nach unseren kurzen Hosen (die Sonnencreme ist ebenfalls griffbereit!) Ach ja, da die Frage aufgekommen ist – das Etmal ist die Strecke in Seemeilen (1sm = 1,852 km), die man in 24 Stunden zurückgelegt hat – traditionell wird um 12 Uhr der Standort mittels Mittagsbesteck (nein, nicht das zum Essen) mit dem Sextanten die Position bestimmt. Wird zwar heute kaum mehr praktiziert, da die meisten Segler bereits GPS und elektronische Seekarten verwenden, aber diese Systeme können ja bekanntlich auch mal saft- und kraftlos werden und da ist es gut, noch die altherkömmlichen Methoden zu beherrschen (aber ehrlich gesagt, wir verlassen uns auch meistens auf die moderne Technik und benutzen den Sextanten größtenteils nur zum Spaß). Die vor ca. 115 Jahren von Joshua Slocum praktizierte Methode der Positionsbestimmung mittels Monddistanzen ist leider total in Vergessenheit geraten – wäre sicher auch interessant, das Mal auszuprobieren aber leider gibt es dazu keine Tabellen mehr.

In den frühen Morgenstunden haben wir unseren Wegpunkt, der die halbe Strecke zwischen Isla Robinson Crusoe und der Osterinsel markiert, überfahren. Die halbe Distanz zwischen dem Festland und der Osterinsel hatten wir bereits vor zwei Tagen hinter uns gebracht und standesgemäß mit einer zünftigen Sangria begossen (so bringt man auch sein Obst weg).

Christoph in Aktion

Eigentlich kommen wir gut voran, in den letzten Tagen hatten wir Etmale von 98 sm, 135 sm, 151 sm, aber auch leider mickrige 38 sm wenn uns mal der Wind im Stich lässt. Wenn man bedenkt, dass wir mit einer behäbigen Keksdose unterwegs sind und nicht auf einem schnittigen modernen Jogurtbecher sitzen – gar nicht so übel. So verfliegen die Tage in den Weiten des Ozeans – Tag für Tag gleiten wir durch die tiefblaue See und reiten die hohen weißen Wellenkämme ab oder lauschen ganz einfach nur der lieblichen Stimme des Meeres. Wer glaubt dass uns fad wird irrt sich, wir haben immer was zu tun, ob es nun irgendwelche kleinen Näharbeiten oder Reparaturen sind oder unsere fruchtlosen Versuche des Fischfangs. Denn entweder sind wir zu schnell und der Fang reißt sich wieder los oder wir sind zu langsam und uninteressant für die Raubfische. Selbst unser Versuch dem selbstmörderischen kleinen Kalmar am Haken ein anständiges Seebegräbnis zu geben hat die Fische nicht zum totlachen und anbeißen gebracht – aber mal schauen, vielleicht bekommen wir es doch noch hin und einer landet unabsichtlich in unserer Pfanne. Ansonsten widmen wir unsere Zeit dem Schreiben der Homepage oder sonstiger Berichte, kochen, Brot backen oder lesen auch nur gemütlich ein Buch aus unserer umfangreichen Bibliothek und träumen – das Leben hat sich für uns entschleunigt!

Portugisische Galeere - auch ein staendiger Begleiter

Wir kommen uns schon vor wie die Spürhunde, jeden Tag laufen wir schnüffelnd durch das Schiff, welche Ost- oder Gemüsesorte denn heute wieder den absoluten Reifegrad überschritten hat oder Ansätze für Fäule bekommt. Es ist wie verhext, alles wird gleichzeitig reif und so viele Vitamine auf einmal können wir kaum verzehren. Diesmal hat meine Logistik nicht ganz hingehauen, denn sogar die Kohlköpfe, die normalerweise mehrere Wochen problemlos halten, beginnen zu gammeln (obwohl mir zugesichert wurde, dass sie nicht aus einem Kühlhaus sind). Wahrscheinlich liegt es aber auch an dem feuchten Klima, das wir die letzten Monate hatten. Ich bin zwar die ganze Zeit dem drohenden Schimmel mit Chlor und Essig auf den Pelz gerückt, aber scheinbar dürften doch noch einige Sporen überlebt haben. So gibt es jetzt eben jeden Tag Zucchinipfanne, griechischen Salat, Avocados in jeder Art, Obstsalat, Schokobananen (die einzige Art wie ich Christoph diese Dschungelgurken unterjubeln kann) und sonstige kulinarische Köstlichkeiten. Es tut mir zwar leid, dass wir bereits jetzt alles essen müssen, denn in den nächsten Wochen wird es eher schwierig sein neues Obst und Gemüse zu besorgen, aber besser wir jetzt, als später die Fische.
Heute Nacht – sternenklarer Himmel, leichter Wind, der Mond lässt das Meer silbern schimmern und plötzlich ein PLATSCH ! -

unser Selbstmoerder

irgendetwas knallt an das Cockpitdach, rutscht langsam die Scheibe runter und schaut uns mit großen Augen an. An selbstmörderische fliegende Fische sind wir ja gewöhnt, aber suizidgefährdete Kalmare waren uns bis dato noch unbekannt. Wie er es geschafft hat über die Relingsabdeckung bis auf die Kuchenbude zu springen ist uns wirklich ein Rätsel – die Tierwelt ist eben noch ein Mysterium, aber wir haben dafür morgen einen leckeren Snack!

letzter Blick auf Isla Robinson Crusoe

Der stille Ozean macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Noch vor der Abenddämmerung ist die Insel hinter uns aus unserem Sichtfeld entschwunden und die langgezogenen Pazifikwellen haben uns noch hin und her geschaukelt. Jedoch ist der Wind immer weniger und weniger geworden und schon nach zwei Tagen sind wir nur mehr mit schlagenden Segeln im spiegelglatten Meer gestanden. Die beste Chance mal wieder unseren Solarsack auszupacken und am Vordeck eine ausgiebige Dusche zu genießen. Den ganzen Tag sind wir am Vordeck gelegen, haben den Seevögeln bei ihren akrobatischen Flugmanövern zugesehen, die gelegentlich in der Ferne vorbeziehenden Wale beobachtet, gelesen … und hatten am Abend einen richtig schönen Sonnenbrand (tja, man sollte halt doch nach so langer Abstinenz besser auf seinen hellen Teint achten).

Gegenverkehr

Wir genießen es, dass es jetzt von Tag zu Tag wärmer und trockener wird und lassen die Luken so oft wie möglich offen damit das Schiff jetzt endlich mal komplett durchtrocknen kann (war in Valdivia bei 80-90% Luftfeuchtigkeit ja kaum möglich). An den meisten Abenden verabschiedet sich die Sonne mit einem fulminanten Farbspektakel, bevor sie zischend im Meer versinkt (sieht zumindest so aus) und der Mond und die Sterne glitzernd am nächtlichen Firmament die Oberhand übernehmen.

und wieder ein Tag vorbei

Es ist unglaublich wie viele Sterne man ohne Smogglocke und Lichterkuppel am Himmel sehen kann. Wir haben mal wieder Glück, denn der Wind bläst zwar leicht aber doch beständig aus N bis NO und so können wir zwar hart am Wind, aber fast direkt auf unser Ziel zusteuern und müssen nicht so weit nach Norden in die Passatzone ausweichen, wie uns eigentlich der Wetterbericht weis machen möchte (bzw. haben wir jetzt scheinbar den Dreh raus, wie man die Meeres- und Wettergötter am besten beschwichtigt – die richtige Marke bleibt aber unser Geheimnis!). Ach ja, heute haben wir das erste Schiff seit unserer Abfahrt von Valdivia in der Ferne gesehen, als o richtig viel los!

 Gestern ist eine ausgeprägte Front mit starken Böen und Regenwolken über uns weggezogen – es war eigentlich der erste Tag seit wir hier sind, wo es nicht traumhaft schön war. Aber genau auf diesen Durchzug haben wir gewartet, denn wir hängen uns in altbekannter Manier an und lassen uns (hoffentlich) bis in die Passatzone mitziehen. So haben wir gestern mal einen Tag mit lesen am Schiff verbracht und haben uns vom Schwanken in den Schlaf wiegen lassen.  Heute sind wir gleich morgens ins Dinghy gesprungen und haben uns die Zarpe bis zur Isla Pascua (Osterinsel) geholt und noch ein bisschen Frischware für die ersten Tage auf See eingekauft, uns von unseren neuen Freunden verabschiedet und dieses idyllische Plätzchen verlassen.

Ciao Robinson Crusoe - wir legen ab!

Nun schippern wir ca.  1.700 sm (ca. 3.100km) westwärts und werden wir ca. 3-4 Wochen unterwegs sein bis wir das nächste Mal wieder Land betreten – Rapa Nui wir kommen!

BMS Almirante Merino (rechts)

heute am frühen Morgen ist die BMS Almirante Merino (ein U-Boot Versorgungsschiff) wieder in See gestochen, etwas wehmütig haben wir ihnen hinterher gewunken, denn wir hatten mit ein paar der Offiziere bereits Freundschaft geschlossen. Am Vorabend sind noch zwei von ihnen auf einen Plausch zu uns an Bord gekommen und Felipe hat uns zum Abschied noch zwei echte Mützen von seinem Schiff geschenkt – jetzt gehören wir auch zur Armada de Chile!

hoher Besuch von zwei Offizieren

Es war echt eine nette und sehr interessante Zeit mit ihnen, besonders lustig war es, als Christoph Felipe mal mit unserem kleinen Bananaboot und dem 4PS-Schnurpserl zurück zum großen Marinekreuzer gebracht hat, da sind alle an der Reling gestanden und haben sich königlich amüsiert. Das nächste Mal sind sie dann lieber doch mit ihrem eigenen großen Gummischlapfen und dem starken Außenborder angebraust gekommen. Auch hat heute das Versorgungsschiff am Pier angelegt – bereits seit den frühen Morgenstunden werden Unmengen an Treibstofffässern und Gasflaschen ausgeladen.

jeder bekommt sein Paeckchen ab!

Der Kran und der Gabelstapler kommen den ganzen Tag gar nicht zur Ruhe. Da uns gesagt wurde, dass frisches Obst und Gemüse sehr schnell vergriffen ist, sind wir umgehend hin gefahren, aber die Verteilung der Lebensmittel und Post hat noch bis zum späten Nachmittag gedauert. Erst dann konnten wir in der kleinen aber feinen Auswahl gustieren und haben uns nur für ein paar Tomaten, Paprika und Zucchini entschieden jedoch dafür aber Apothekerpreise bezahlt.  (die normalen Sachen in den Minimärkten sind ca. 20% teurer als am Festland, aber das Gemüse kostet gut doppelt so viel). So werden wir mit unseren vorhandenen Vitamin-Ressourcen eben besser haushalten müssen (wir sind ja vorgewarnt worden, dass es bis zu den Südseeinseln eher schwierig und teuer sein wird).  Inzwischen kennen wir wahrscheinlich bereits mehr als die Hälfte der Einwohner, denn auf jeder Ecke grüßt man uns bereits und in den allgemeinen Tratsch im Supermarkt werden wir auch schon mit eingebunden. 

Moby Dick laesst gruessen

Trotzdem fahren wir in den nächsten Tagen weiter, denn die Osterinsel ruft und vielleicht sehen wir weiter draußen die Wale besser, die die letzten Tage immer wieder in die Bucht schwimmen und vor der Küste vorbeiziehen.

Cumberland-Bucht

Beim Anblick der vielen blühenden Büsche und Blumen ist uns gerade bewusst geworden, dass wir bereits vor 3 Tagen Frühlingsanfang hatten. Bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosen Himmel haben wir heute unsere Wanderschuhe geschnürt und sind auf den Sattel, von wo Alejandro Selkirk jeden Tag nach anderen Schiffen Ausschau gehalten hatte, gewandert. Es sind zwar nur 2,8 km aber 580 Höhenmeter zu bewältigen – eine richtig anstrengende Bergtour. Am Anfang wandert man noch durch schattige Eukalyptuswälder und überall schwirren die knallroten Juan-Fernández Kolibris (Männchen) herum – die Weibchen sind wunderschön grün und blau.

hier uebliches Fortbewegungsmittel

Bereits nach kurzem haben uns einige Reiter überholt (warum sind wir nicht auf diese Idee gekommen!) die natürlich viel schneller und weniger anstrengend auf den Gipfel kommen bzw. ist dieser Weg die einzige Verbindung zur anderen Seite der Insel (außer Schiff natürlich). Auf halber Höhe gibt es einen Abzweiger zu den Resten der Behausung von Alexander Selkirk, aber da hätten wir wieder weit runter zum Bachbett gehen müssen und das wollten wir dann doch nicht unbedingt, da der Aufstieg mit vielen sehr hohen und unregelmäßigen Steinen und Stufen schon anstrengend genug ist. Am Gipfel angekommen sind wir auf einen Felsen gesunken und haben diesen überwältigenden Ausblick erst mal atemlos genossen, aber beschlossen den restlichen Weg bis zur Bahia Tierras Blancas (noch ca. 17 km) doch eher zu lassen. Von hier oben kann man wirklich fast alles überblicken, obwohl es nicht die höchste Erhebung der Insel ist, aber die anderen Felsspitzen dürften nicht begehbar sein.

Blick Richtung Isla Santa Clara

Wir sind jedoch hier oben nicht alleine, denn seit gestern Abend liegen zwei Marineschiffe bei uns in der Bucht vor Anker und permanent brummen Helikopter über unsere Köpfe hinweg. Die Armee hat heute nach 20 Tagen ihre Suchaktion abgeschlossen und die Jungs haben jetzt übers Wochenende frei, bevor sie in ihre Basis zurückkehren. Wir unterhalten uns mit ein paar der jungen Männer und sie erzählen uns von den schwierigen Bergungsaktionen der Wrackteile und der 21 Leichen unter Wasser und wie sehr dies psychisch belastet. Daher haben sie es ich sicher redlich verdient, endlich mal wieder die Sau raus zulassen, was sie auch tatkräftig und lautstark bis in die frühen Morgenstunden gemacht haben.

Weiße Sandstrände, Kokospalmen, Südseeidylle und ein dunkelhäutiger Freitag – so stellt man sich langläufig die Insel, die Daniel Defoe in seinem Buch beschreibt, vor. Es gibt zwar schon ein paar Palmen, aber hauptsächlich riesige Eukalyptusbäume, Nadelbäume, Baumfarne, Buschwerk und alles mit Moosen und langen Flechten bewachsen.

typisches Haus

Unglaublich grün ist es hier und die Wellen umtoste Küste rundherum ist eher sehr felsig und steil, richtige Strände haben wir bisher noch keine entdeckt (aber wer weiß, was sich noch alles vor uns versteckt). Auf jeden Fall haben wir mal wieder richtiges Wetterglück, denn die meisten anderen Schiffe, die vor uns hier waren, haben über hohen Schwell und starke Fallböen berichtet, doch wir liegen hier seit Tagen ruhig wie in Abrahams Schoß.

Seebaer im Anmarsch

Rund um uns im glasklaren Wasser tummeln sich große Fischschwärme und gelegentlich auch mal ein Seebär (aber die sind sehr fotoscheu, man sieht maximal eine Flosse) und wir haben so richtig Lust auf einen Unterwasserausflug bekommen. Endlich können wir auch mal unser Schiff, nach der langen feucht-kalten Zeit in Valdivia wieder austrocknen lassen und so liegen alle Decken, Polster und Matratzen an Deck und unser Schiff sieht aus wie ein bunter Jahrmarktswagen. Gestern haben wir uns die Höhlen, wo vier Jahre lang die Patrioten des Unabhängigkeitskrieges eingesperrt waren und das alte Fort Santa Bárbara angesehen, leider ist davon nicht viel mehr als ein paar alte Kanonen übrig. Jedoch hat man von dort oben einen guten Überblick, wie viel doch der Tsunami im März zerstört hat.

ein Festessen!

Die Welle war hier gute 18m hoch und hat fast die Hälfte der Häuser und die ganze Infrastruktur des Ortes mitgerissen, leider auch den historischen Friedhof, das Museum über das Wrack der MS Dresden und die alte Kirche. Im Augenblick wird hier emsig alles wieder aufgebaut, aber vieles ist noch in den Notcontainern untergebracht. Wir sind gestern mit Hermann u. Gloria ins Gespräch gekommen, die gerade ihr Reisebüro, Tauchbasis und Kajakverleih wieder aufbauen und haben für heute einen Tauchgang verabredet. Mit südamerikanischer Pünktlichkeit (2 Stunden verspätet!) haben wir uns in unsere dicken Neoprenanzüge gequetscht, die Tanks umgeschnallt und sind in die nur 14°C “warmen” aber glasklaren Tiefen abgetaucht. Leider haben wir aufgrund der noch immer durchgeführten Suchaktionen der Marine bei der Absturzstelle keine Tauchgenehmigung für die Bahia Tierras Blancas (Juan Fernández-Seebärenkolonie) bekommen, aber auch beim Leuchtturm war es sehr interessant. Farbenfrohe Gorgonien und Korallen, Unmengen an Steinfischen, Petermännchen, Flundern, Barschen und Brassen. Aber das Beste – fast in jeder Ritze riesige Langusten!

Tauchdinghy

Nach einer Stunde war uns trotz der dicken Anzüge kalt und wir haben diese phantastische Unterwasserwelt wieder verlassen. Wie verhext, auf dem Schiff hat unsere UW-Camera noch funktioniert, jedoch unter Wasser hat sie nur “Kartenfehler” angezeigt – echt Mist! Wieder auf unserem Schiff hat uns Hermann noch zwei Lobster fürs Abendessen geschenkt – ein weiteres Highlight des Tages.

Isla Robinson Crusoe am Horizont

Seit gestern ist der Wind immer leichter geworden und somit zum Glück auch die Wellen. Nun gleiten wir mit halber Windstärke fast genauso schnell wie zuvor dahin. Heute Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, konnten wir bereits die ersten Konturen der Inseln am Horizont ausmachen und je näher wir gekommen sind, hat alles langsam Formen und Farben angenommen. Schroff und einsam hebt sich dieses Archipel aus dem Meer. Nur an ein paar kleinen Fischerbooten sind wir vorbeigefahren, von den vielen (sogar internationalen) Rettungsschiffen, die nach dem tragischen Flugzeugunglück von vor einer Woche hier nach Überlebenden und Wrackteilen suchen haben wir bisher nichts gesehen.

San Juan Battista

Am Nachmittag sind wir gemütlich in die weite Cumberlandbucht gesegelt und haben uns eine der dort ausgelegten Bojen geschnappt. Von steilen Felsspitzen geschützt und grünen Hängen umgeben ist San Juan Battista mit rund 600 Einwohnern und ebenso vielen Hunden die einzige “Stadt” auf diesem einsamen Eiland das nur 22 km lang und 7 km breit ist. Wir wurden hier äußerst freundlich begrüßt und schnell waren die offiziellen Formalitäten mit dem Hafenkapitän erledigt.

Hauptstrasse

So hatten wir noch Zeit einen kleinen Rundgang durch den Ort zu machen, um uns ein bisschen besser orientieren zu können und morgen werden wir dann, wenn das Wetter passt, die unglaubliche Umgebung erkunden und mal schauen ob wir noch einen Fußabdruck von Alexander Selkirk alias Robinson Crusoe finden.

Deko fuer unser Schiff

Ach ja, vor zirka zwei Monaten hatten wir doch in Cusco das Problem mit dem Busunternehmen, das in Konkurs war. Damals hatte ich an das Busunternehmen sowie die Reiseagentur jeweils ein bitterböses E-Mail geschickt. Von der Busgesellschaft haben wir nie wieder etwas gehört (kein Wunder), aber die Reiseagentur Ecomanutours hatte uns damals zumindest geantwortet und versprochen sich darum zu kümmern. Für uns war dieses Kapitel eigentlich schon abgeschlossen, das Geld abgeschrieben und ich hatte meinen Frust mit den E-Mails befriedigt. Man glaubt es aber kaum, kurz bevor wir Valdivia verlassen haben, bekamen wir ein Mail von Ecomanotours, wo sie sich nochmals entschuldigt haben und unsere Bankverbindung zwecks Refundierung der Reisekosten haben wollten. Auch in diesen Zeiten geschehen noch Wunder und wir sind total begeistert über die Ehrlichkeit der Peruaner und speziell dieses Reisebüros!!

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