Nachdem der Wind immer schwächer wird, haben wir das Passatsegel gegen den Spi ausgetauscht und fahren jetzt wieder gemäßigte 5 kn (besser als nichts). Der Segleralltag hat uns wieder und wir liegen faul in der Sonne.

Babsi´s Köder

Da wir noch keine Gastlandflagge haben, male ich noch schnell eine und bastel einen eigenen Angelköder mit viel Blei und bunten Plastiksackerln. Rund um uns sind Fischerboote, die auch etwas fangen, also warum wir nicht? Lanzarote und Fuerteventura sind bereits in Sichtweite.

Nach einer rasanten Fahrt durch eine sternenklare Nacht ist uns auch noch bis zum frühen Nachmittag der Wind erhalten geblieben und dann leider wieder schwächer geworden – wir haben ein Etmal von 124 sm gemacht !!!

Unser Gast

Am Vormittag haben wir Besuch bekommen – eine sehr zutrauliche Weißgesicht-Sturmschwalbe hat sich zu uns gesellt und hat mehrmals versucht sich unter Deck zu schummeln – wir haben sie jedoch „höflich gebeten“, doch nur im Cockpit Platz zu nehmen. Am Nachmittag ist sie sogar auf Christoph`s Fuß gelandet und hat sich auf die Hand nehmen lassen. Gegen Abend ist sie auf Futtersuche wieder durchgestartet (obwohl wir ihr Wasser, Körnchen, Salat und sogar eine Schnecke angeboten hatten). In der Nacht hat der Wind dann sehr gedreht und wir mussten unseren direkten Kurs auf Gran Canaria verlassen – so laufen wir eben zuerst noch Lanzarote an (haben wir eh noch nicht gesehen und man ist ja flexibel).

Da wir bereits am Vortag unsere Hafengebühren beglichen (pro Tag ? 23,60 inkl. Wasser, Strom u. Dusche) und uns beim Zoll abgemeldet haben (unkompliziert und schnell) sind wir bereits um 8:00 UTC ausgelaufen. Unser Plätzchen wurde gleich von einem finnischen Schiff übernommen – es war eigentlich verwunderlich, dass nicht mehr Langfahrtensegler dort waren (die ganze Woche waren es 2 französische, 1 holländisches, 1 polnisches, 1 norwegisches sowie das gerade einlaufende finnische Schiff). Wir haben das Passatsegel bei strahlendem Sonnenschein gehisst und sind mit 7 kn südwärts gepflügt. Bereits zu Mittag waren die Inseln im Dunst verschwunden. Da sich rund um uns Gewitterzellen gebildet hatten, ist uns den ganzen Tag die steife Brise erhalten geblieben.

Der erste Fang

Ach ja, erstmalig hat unsere Angel einen Fang angezeigt (sie funktioniert doch!) – sofort wurde das Segel geborgen um die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen – nach langem Kurbeln konnte ich jedoch meine bereits hergerichtete Pfanne wieder wegräumen, da wir nur einen alten Kanister gefangen hatten (so kann man auch das Meer auch säubern) somit haben wir eben Champignongeschnetzeltes gegessen (war auch sehr lecker).

Beute

8.05.2010

Madeira

Da sind wir wieder – haben unsere Landtage genossen!  Morgen geht es wieder los und wir legen Richtung Gran Canaria ab. Wir erwarten uns einen leichten Westwind und ab Donnerstag soll er dann stärker werden – also fast ideal.

Illheu do Farol

Aber jetzt zu unseren Erlebnissen an Land. Madeira ist wunderschön nur leider relativ arm und somit mancherorts doch verwahrlost. Auch haben wir selten so viele Obdachlose und verfallene Häuser gesehen (speziell in Funchal – wunderschöne alte Villen die langsam zusammenbrechen).  Am “Land“ sieht das schon besser aus, obwohl aufgrund der beschränkten Anbauflächen die Felder sehr  klein sind.  An der Beseitigung der Unwetterschäden von vor 2 Monaten wird jedoch fieberhaft gearbeitet – fast auf jedem Strand stehen Bagger und in den Bergen sind auf jeder Straße Arbeitstrupps unterwegs, die die gröbsten Steinschlagschäden wieder beheben.

Kaiser Karl

Wir sind zwei Tage mit einem Mietwagen durch die Gegend gedüst und haben die gesamte Insel unsicher gemacht. Selbstverständlich waren wir auch am Monte und haben unserem letzten Kaiser die Ehre erwiesen. Am besten haben uns der Westen mit den beeindruckenden Steilküsten sowie die Hochebenen gefallen.

Hochebene Paul de Serra

Es ist total entspannend an Levadas (Bewässerungskanäle) durch Lorbeer- oder Eukalyptuswälder zu wandern oder von den Miradouros in die Tiefe zu blicken. Die Zeit war eigentlich wiedermal viel zu kurz, aber vielleicht kommen wir mal wieder.

Natürlich haben wir auch wieder ein paar Dinge am Schiff repariert bzw. erneuert. Christoph hat es doch wirklich geschafft den Fehler am Motor zu finden – es war eine festgefressene Buchse am Fliehkraftregler – nicht einfach zu finden und schwierig zu reparieren. Endlich kam mal unsere Drehbank zum Einsatz (unglaublich was wir alles an Bord haben). Im Zuge der Fehlersuche wurden auch dringendst notwendige Wartungsarbeiten gemacht und die völlig korrodierten Opferanoden im Motor getauscht. (Zum Glück ist es ein britischer  Motor genauso wie unser geliebter Land Rover )

Zu guter Letzt verewigen wir uns auf der Hafenmole, genauso wie schon viele Weltenbummler vor uns.

Nachdem wir uns, wie auch schon die letzten Tage durch teilweise Wind jedoch meistens Flaute geschummelt haben, sind heute Nacht endlich die ersten Lichter von Porto Santo und Madeira am Horizont erschienen. Wir haben es schon fast nicht mehr glauben können!  Im Morgengrauen hat sich dann Madeira geheimnisvoll in Wolken gehüllt, erst kurz vor dem Leuchtturm Illheu de Fora ist es aufgerissen und die Blumeninsel hat sich in ihrer ganzen Pracht gezeigt – sogar eine ganze Schule Delphine hat uns begleitet. Am frühen Nachmittag sind wir dann in die Marina Funchal eingelaufen. Nach unproblematischen Zollformalitäten und Anmeldung in der Marina haben wir dann endlich wieder festen Boden unter den Füßen gespürt  – es kann sich niemand vorstellen, wie toll das ist, obwohl man die ersten Schritte noch richtig wankt. 

Ankunft

Als erstes wurde mal auf die erfolgreiche erste Etappe und generell den geglückten Start angestoßen und dann unter die Dusche (der Hafenmeister hat uns als erstes den Schlüssel für die Duschen in die Hand gedrückt – wir müssen aber gestunken haben). Anschließend in eine nette Taverne in der Altstadt und ein schönes Stück frisch gegrilltes Fleisch auf den Teller – einfach göttlich!  Bei einem ausgiebigen Bummel haben wir noch eine echt gute Liveband gehört und sind natürlich dort noch hängen geblieben und haben das Tanzbein geschwungen – da haben die Leute aber geguckt! Irgendwann sind wir dann tot müde ins Bett gefallen und haben es genossen durchzuschlafen und keine Nachtwachen machen zu müssen.

Fazit:  1.750 Seemeilen in 17 Tagen – macht ein trauriges Etmal von 100 sm !!!

Mole von Funchal

So. 02.05.2010
Wir liegen direkt an der Mauer, wo sich alle Blauwassersegler vor ihrer Abfahrt mit einem Gruß verewigen. Ein echt toller Ausblick wenn man ausgeschlafen mit frisch gebackenen Waffeln und Sekt im Cockpit sitzt und auf den Geburtstag von Christoph anstößt.  Wir haben dann so richtig die Touristenpfade ausgetreten und es uns gutgehen lassen.

Hafenmole

Wir verabschieden uns hiermit auf eine Woche Landurlaub !!!

PS.: Wir haben heute weitere Bilder nachgeliefert!

Der NNW-Wind von der Nacht hat heute auch tagsüber angehalten und wir sind mit 6-8 kn dahingezogen. Vor-Wind-Kurse sind jedoch am Atlantik immer eine sehr wackelige Sache und das Klappern und Schwanken nervt ein wenig. Obwohl wir auf der Höhe Gibraltar sind, haben wir kaum Schiffskontakte (könnte daran liegen, dass wir 220 NM von der Küste entfernt sind) Etmal 155 NM

Böenwalze

Am Vormittag kommen eindrucksvolle Böenwalzen auf uns zu und bringen uns schliesslich den ganzen Tag schönen Segelwind mit 5-6 Bft. Man merkt, dass wir südlicher kommen. Das Meer ist voll von portugiesischen Galeeren (Quallen, die eine Art Segel ausbilden und auf dem Wasser treiben mit sehr langen Nesselfäden) und Schildkröten haben wir auch schon gesichtet. In der Nacht sind rundherum Gewitter, die natürlich ihre Ausläufer mit Wind und hohen Wellen schicken. Kreuzen heute Nacht vor Cabo de Sao Vincente unser Kielwasser von der Atlantiküberquerung 2001 (nette Erinnerungen überkommen einem).

Wir sind heute den ganzen Tag motort, erst gegen Abend hat sich ein leichtes Lüfterl zu uns verirrt und daher haben wir natürlich gleich das Passatsegel gehisst. Leider dauerte der Spuk nur kurz und wir sind wieder die ganze Nacht dahingetrieben. Konnten bei Vollmond wunderbar den Raubfischen beim Jagen zusehen.

Bananaboot beschreiben

Ach ja, wir haben uns um viel Geld extra einen Lack von Coelan gekauft, der nicht den Gummi angreifen soll, um unsere Dinge mit dem Schiffsnamen zu beschriften. Das Zeug hält überall (speziell gut auf den Fingern) nur sicher nicht auf den Beibooten oder Fendern – schreiben es unter Lehrgeld ab und nehmen einen normalen Lack.
Etmal 85 NM

Wir sind heute den ganzen Tag unter Spi mit 3,5 kn Durchschnittsgeschwindigkeit gesegelt, kaum Wellen – war aber sehr angenehm, weil wir einen Putztag eingelegt haben – nach einer ausgiebigen Dusche auf dem Vordeck haben wir die Matratzen und Pölster zum Auslüften an Deck gelegt und uns gleich mit dazu. Man musste richtg aufpassen keinen Sonnenbrand zu bekommen – sonst keine Vorkommnisse. Auch die Nacht war sehr ruhig. (Pos. kurz vor Lissabon 39°42`N 13°01`W – Etmal 112Nm) nur leider ab Mitternacht absolute Flaute, da wir sowiso unseren Tank reinigen müssen und ihn zu diesen Zweck leer benötigen, werfen wir die Maschine an.

Am Morgen ist absolute Flaute, wir dümpeln dahin! Aber es wird jetzt täglich wärmer (23°C) – nicht einmal mehr in der Nacht wird es richtig kalt (16°C) – wir geniessen es!!

Ich wurde schon sehr oft gefragt, welcher der stärkste Wind war, den ich auf See je erlebt habe und ob ich dabei Angst hatte – ich kann dazu nur sagen, dass ich vor Wind weniger Angst haben als vor Flaute. Wenn der Wind nachlässt, versucht man alles um auch den letzten Rest in Fahrt umzusetzen, aber irgendwann – man macht so ca. 1kn Fahrt – schlagen nur mehr die Segel und man würde sie zerstören, also birgt man sie. Bis jetzt war man beschäftigt, aber ab diesem Zeitpunkt kann man nur mehr warten. Das Schiff rollt wie wahnsinnig in der Dünung und macht dabei jeden Handgriff an oder unter Deck zur Akrobatik, denn jedes Ding, welches nicht zu jeder Sekunde sicher verwahrt oder gehalten wird, fällt unweigerlich hinunter und/oder um. Weiters zermürbt dieses Geschlage und Gewackle das Nervenkostüm. Diese Tatsache lässt jede überflüssige Tätigkeit an Bord erstarren. Erst nach etwa zwei, drei Tagen hat sich die See dann so beruhigt, dass das Schiff auf der mehrere Meilen langen Dühnung sich langsam (im mehrere Minuten Takt) auf und ab bewegt. Dabei hat das Meer ein Aussehen wie Öl und verhällt sich scheinbar auch so. Irgendwann hört auch das Schlagen, klappern und klingeln mangels Bewegung im ganzen Schiff auf. Jetzt ist alles völlig still und man könnte wieder etwas tun ohne alles krampfhaft festhalten zu müssen, aber man ist wie paralysiert. Wir hätten zwar eine Maschine, aber auf solchen Distanzen ist es sinnlos sie zu nutzen. Mir ist jeder Sturm, auch über 60kN Wind lieber als eine Woche Flaute!

Aber zurück zum Tagesbericht – wir sind im Flautestadium oder besser gesagt nicht dort, wo gerade der Wind ist. Gegen Mittag ist dann wieder ein laues Lüfterl gekommen und wir haben den Spi gehisst. Da der Wind gleichmäßig anstieg, sind wir in der Nacht mit angenehmen 6,5 kn dahingeglitten. Bis zur Geisterstunde, als sich mit einem lauten „Zoing“ der Spi gegen Himmel erhob. Nachdem wir den Spi geborgen, die gerissene Spischot repariert und den Spibaum mit einem Block verstärkt haben, wurde unsere Erkenntnis, dass Spinnaker nicht für den Dauergebrauch gebaut sind, wieder bestätigt. Wie sollte es anders sein: Solche Dinge passieren prinzipiell nur in der Nacht.
(Pos. q.a. Cabo Mondego 40°22`N 11°46`W – Etmal 103Nm)

Ach, dass kein falscher Eindruck aufkommt – die Stimmung an Bord ist spitze und wir freuen uns und wachsen mit den täglichen neuen Aufgaben und Herausforderungen. Abgesehen davon braucht man ja Beschäftigung – bis dato hat uns nichts ein gröberes Problem bereitet. Wahrscheinlich haben wir bis zu den Kanaren das Schiff so weit erneuert, verbessert und umgebaut, dass es 101%ig zu uns passt. (die To-Do u. Einkaufsliste wird auch täglich länger!)

Spi

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