Es war gut, dass wir den Motor angeworfen haben, denn wir haben nur diese Nacht 70 sm bei totaler Flaute gemacht – der Wind kommt heute Morgen entgegen der Vorhersagen immer noch aus NO mit mäßigen 2-3 Beaufort – sehr gut für uns. Wir düsen den ganzen Tag unter Gross + Genua mit 4-6 kn bei leicht bedecktem Wetter (11 Grad) dahin. Christioph zaubert uns heute ein phantastisches Omelett mit Gemüse, Schinken und Käse. In der Nacht passieren wir die Ile d´Quessant (48°37´N 5°36´W) bei Brest und verlassen somit den Ärmelkanal in die Biskaya. Auch heute wieder eine relativ ruhige Nacht mit herrlichem Sternenhimmel und einem orangerotem Mond – unbeschreiblich schön! (Etmal 98 sm)
Ein Jahresrückblick der anderen Art im Logbuch ...
Mo. 19.04.2010 – Flaute mit Omelett
So. 18.04.2010 – Kein Wind, dafür Sonne
Leider ist der Wind noch mehr eingeschlafen – wir tümpeln nurmehr dahin. Haben heute Passatsegel und Spi gesetzt – geht erstaunlich gut. Es wird von Tag zu Tag wärmer – liegen heute nur mit T-Shirt im Cockpit in der Sonne – ein richtiger Genusstag !!! Legen die Polster und Decken zum Auslüften in die Sonne. Unsere Etmale werden täglich geringer und ab übermorgen dreht der Wind auf West (1 Tag zu früh – aber was soll man machen). Um 17 Uhr entschliessen wir uns den Motor anzuwerfen, da wir sonst durch den Gegenstrom noch an gefahrener Strecke verlieren würden und ausserdem bei spiegelglatter See auch das Motoren angenemer ist.

Sonnenuntergang
Wir hoffen, dass wir bis sich der Wind ändert genug Höhe gewonnen haben um die nötige Kurskorrektur ohne gröbere Anstrengungen machen zu können. Von wegen stürmischer Englischer Kanal – uns hat er sich sehr zahm gezeigt.
Sa. 17.04.2010 – Rauf auf den Mast
Der Wind nimmt leider stetig ab – wir haben heute nurmehr 2-3 Beaufort aber zum Glück immer noch aus NO. Das Vorwärtskommen wird auch noch durch den starken Gegenstrom erschwert. Christoph muss heute in den Mast, da die Passatvorstag an der Birne reibt – kann dies jedoch sehr schnell beheben und macht gleich noch ein paar tolle Fotos von oben. In der Nacht machen wir aufgrund des Gegenstromes und des nurmehr lauen Lüftchens kaum Meilen. Wir treiben wie ein Kork im Kreis. Wenigstens wird einem bei den Nachtwachen nicht langweilig, weil permanent irgendwelche Schiffe im Auge zu behalten sind.
Fr. 16.04.2010 – Englische Küste erreicht
Nach einem wilden nächtlichen Ritt durch die Nordsee (durch geringe Wassertiefe und Wind gegen Strom baut sich unangenehme Kabbelsee auf) haben wir nunmehr die englische Küste erreicht. Um die Mittagszeit haben wir uns gemütlich Tortellini Carbonara mit dem Blick auf die weissen Kreidefelsen von Dover gegönnt – ein traumhaftes Plätzchen. Im Englischen Kanal ist zwar ein erhöhtes Aufkommen der Großschifffahrt, aber es ist trotzdem angenehmer da die Welle gleichmäßiger und länger ist. Der Berufsschifffahrt muss ein großes Lob ausgesprochen werden, sie nehmen sehr viel Rücksicht auf so kleine Segelschiffe. Jeder noch so große Kahn umrundet uns mit großem Abstand !!! Der Wind kommt noch immer aus NO mit ca. 5-6 Beaufort u. 11°C – wir haben Passatsegel und Fock gesetzt.
Bordleben
Sehr schnell findet man in eine gewisse Routine, auch der Wachwechsel ist bereits nach kürzester Zeit kein Problem mehr. Es fällt einem natürlich schwer sich bei schönstem Sonnenschein die Decke über den Kopf zu ziehen und zu schlafen, aber wenn der Körper es fordert geht es schon. Wir schauen, dass wir untertags zumindest ein paar Stunden gemeinsam Zeit verbringen und natürlich auch gemeinsam essen – darum wird meistens einmal gekocht, da etwas Warmes im Magen das Wohlbefinden doch gewaltig steigert.
Aber auch wenn die Kälte und Feuchtigkeit, wie auch die anderen Strapazen einem ganz schön zusetzen können, ist es doch nichts im Vergleich zur Schönheit der Natur. Es ist einfach unbeschreiblich schön in der Nacht Millionen an Sternen zu sehen und den Mond, wenn er sich silbrig im Meer spiegelt oder wenn das Schiff durch die Wogen pflügt und das Plankton wie Sternenregen in der Gischt glitzert. Untertags ist es eine Freude die Fregattvögel, Seeschwalben oder Möven bei ihrer Flugakrobatik zu beobachten. Man vergisst leider all zu leicht, wie schön und einfach die Natur sein kann und wie gut das Meer riecht.
Es wird einem eigentlich nie fad, da immer irgendetwas zu tun oder reparieren ist (notfalls schreibt man eben Berichte oder Tagebuch). Auch die Arbeit teilt sich meistens automatisch auf, da jeder seine Stärken und Schwächen hat und die des Anderen kennt – es ist unumgänglich, dass eine gewisse Harmonie vorhanden sein muss.
Wir geniessen es wieder näher am Ursprung zu sein und uns von der Welle tragen zu lassen.
GANZ EINFACH – WIR SIND GLÜCKLICH !!!
Leinen los! – 13.-16.04.2010
Di. 13.04.2010

Proviant
Nachdem wir noch die letzten frischen Lebensmitteln gebunkert haben, sind wir noch bis spät in die Nacht dran gewesen den Proviant zu verstauen, was bei dieser Menge gar nicht so leicht ist. Es wäre nicht einmal der fehlende Platz, sondern das Schaffen einer Ordnung um später alles wieder zu finden und wenn möglich nichts zu vergessen und verrotten zu lassen. Zu diesem Zweck haben wir eine eigene Liste mit dem Stauort und den Ablaufdaten angelegt.
Mi. 14.04.2010
Endlich haben wir um 08:30 die Leinen losgeworfen und sind bei herrlichem NO-Wind über die Schleuse in Enkhuizen nach Amsterdam und anschließend den Nordseekanal nach Ijmuiden gefahren. Um 21:15 haben wir gemeinsam mit einem Schiff aus der Schweiz vor der Schleuse zur Nordsee angelegt um gleich morgens losfahren zu können.
Do. 15.04.2010
Wir suchen in Ijmuiden über eine Stunde vergeblich den Zoll, bis wir erfuhren das es hier seit ca. 1 Jahr keinen mehr gibt. Wir hätten zurück nach Amsterdam fahren müssen. Kurz und gut – unser nächstes Ziel ist ebenfalls Teil der EU und gehört zu Schaengen also haben wir darauf verzichtet auszuklarieren.
Wir legen ab!
Endlich um 10:15 legen wir ab und um 10:45 sind wir unter Segel in der Nordsee. Wir haben es geschafft das Abenteuer kann beginnen der Duft des Salzwassers und der weiten Welt ist uns beiden schon lange abgegangen!
Von nun an müssen wir bis Madeira im Wachrad leben und bis man sich daran gewöhnt hat, ist es sehr hart (wir haben tagsüber 4 Std. und nachts 3 Std.-Rad: 1-4-7-11-15-19-22-1). Aber wir kommen eigentlich gar nicht dazu darüber nachzudenken, denn wir müssen als allererstes die Eigenheiten unseres Schiffes kennenlernen und alles so ergonomisch und sicher wie möglich machen. “Susi” – wie wir unsere Windsteueranlage benannt haben – ist eines der wichtigsten Instrumente an Bord. Ihre Zuverlässigkeit ist unsere Sicherheit, sie blind zu beherrschen ist unablässig. Diese Anlagen arbeiten eigentlich alle sehr gut, jedoch gerade bei den meistgefahrenen Kursen der Blauwassersegler (Vorwind, Raumwind) arbeiten sie systembedingt am schlechtesten, denn sie verzeihen kein schlecht getrimmtes Schiff (ärger als Wolfi Irzl).
Fr. 16.04.2010
Der übereilige Start wegen des Wetters hat sich ausgezahlt – wir haben dank des NNO-Windes ein Etmal (Strecke in 24h von 12-12) von 120 NM gemacht. Aber das Leben an Bord ist einstweilen kein Zuckerlecken, Temperaturen zwischen 5° und 9°, starker Wind und außerdem extrem steile See, welche durch die geringe Tiefe (ca.20 m) hervorgerufen wird d.h. Schiffsbewegungen bei denen freies Stehen nicht mehr möglich ist! Jedes Ding muss verstaut oder festgebunden werden, dazu kommt noch die bereits erwähnte Eingewöhnungsphase in das Wachrad. Aber der Anblick der weißen Kreidefelsen von Dover bei strahlend blauem Himmel und unser Ziel in 1300 NM voraus, entschädigt für diese Unannehmlichkeiten!
LG B+C
P.s.: Ab sofort könnt ihr mittels winlink oder intermar-yachttrack unsere Route verfolgen.
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Dankeschoen
Wir danken allen fuer die lieben Wuensche und werden euch hoffentlich regelmaessig berichten wie es uns ergeht!!!
Babsi & Christoph
Endlich los!

Unendliche Einkaufe
Nachdem wir den letzten Frischproviant eingekauft haben, mussten wir all dies auch noch unterbringen (war gar nicht mal so leicht – sind nämlich ganz schöne Berge). Am Mittwoch den 14.04.2010 wird es endlich los gehen – WIR FREUEN UNS !!!!!
Besuch aus der Heimat
Am Sonntag trifft meine Mutter mit Alexander ein um noch eine Woche mit uns zu verbringen. Kaum weg vom Plattbodenschiff müssen wir uns beeilen die Beiden vom Flughafen Schiphol in Amsterdam abzuholen. Gott sei Dank wird unsere Taurus erst am Freitag fertig und so können wir uns ganz um unseren Besuch kümmern. Da wir sowieso nicht auf unserem Schiff schlafen können, mieten wir ein Appartement zu viert. Gleich am Montag wird der Außendeich, Den Helder, Edam, Volendam und Lelystad besucht, am Dienstag steht Amsterdam und am Mittwoch die Städte nördlich von Lemmer am Plan.

Leuchtturm von Urk
Da wir die vielen Eindrücke auch verarbeiten müssen und wir noch einige Sachen für das Schiff benötigen, legen wir einen Einkaufstag für Zubehör und Lebensmittel ein, welcher am Freitag in einem IKEA-Besuch seinen Höhepunkt findet. Wir besuchen zwar immer wieder unser Schiff um den Arbeitsverlauf zu verfolgen, geniessen jedoch auch das Sightseeing.
Parallel dazu verfolgen wir täglich den Wetterbericht und beobachten das Hoch über Irland welches uns den ersehnten Nordostwind bringt. Nach den Prognosen werden wir ihn bis Ende nächster Woche haben – also nichts wie weg !
Am Freitag Nachmittag können wir wieder am Schiff zu arbeiten beginnen, aber dass beschreiben wir in einem anderen Bericht.
Unterwasserkosmetik 2

Des Schiff´s neue Kleider
Heute konnten wir endlich unserer Taurus unter das Röckchen schauen, schön schaut sie aus mit ihrem neuen Anstrich ! Die Arbeiten sind fast abgeschlossen, nur ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Wir können sie wieder ab morgen bewohnen und am Montag kommt sie in ihr gewohntes Element. Das ist jetzt auch schon dringend nötig, denn ab kommender Woche soll sich ein stabiles Hoch über Schottland etablieren, das heisst für uns Nordostwind und den brauchen wir für die unvermeidliche Fahrt durch den englischen Kanal !

Einkauf
Da wir dieses Wetter ausnützen wollen und wir unser Auto nur mehr bis am Samstag zur Verfügung haben, wurde heute auch der Grosseinkauf für mindestens drei Wochen gemacht.




