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10.03.2015

So. 08.03.2015 – Kapstadt und Umgebung

nicht aus dem Rahmen fallen

nicht aus dem Rahmen fallen

Oh je, unser Visum ist abgelaufen und wir müssen notgedrungen weiter, aber es gefällt uns doch hier so gut. Na gut, einen Tag können wir ja doch noch raus schinden und fahren eben erst morgen ganz in der Früh los (ist auch besser, denn da gibt es noch keine Fallwinde vom Tafelberg). Abgesehen davon findet heute, so wie an jedem ersten Sonntag im Monat im RCYC, ein Jazz-Frühschoppen statt und diesen können wir uns doch nicht entgehen lassen. Wir haben bereits vor ein paar Tagen Gerhard, ein langjähriges Clubmitglied kennengelernt und er hat uns an seinen Tisch eingeladen. Viel sitzen können wir trotzdem nicht, denn die Band ist richtig gut und unsere Tanzbeine zucken. So ein bisschen Bewegung kann ja nicht schaden, bevor wir wieder für einige Tage am Schiff hocken.

Grillabend der Segler im RCYC

Grillabend der Segler im RCYC

Generell ist uns die Zeit hier in der Kapregion wirklich zu kurz geworden, denn es gibt unendlich viel zu sehen. Anfangs hatten wir Probleme einen Mietwagen zu bekommen, da reservierst du über Internet bei AVIS, kommst am nächsten Tag dort hin und dann haben die einfach kein Fahrzeug frei bzw. nur um den doppelten Preis – so etwas ist uns bisher noch nie vorgekommen. Na gut, dann machen wir eben einen Stadtrundgang und versuchen es für morgen bei einer anderen Company. Kapstadt ist eine interessante Mischung aus Kolonialbauten wie in der Long Street und am Bo-Kaap und sehr moderner Architektur im Banken- und Regierungsviertel. Generell sieht man hier mehr helle Südafrikaner als im Rest des Landes.

Christoph`s Nestchen im Company Gardens

Christoph`s Nestchen im Company Gardens

So schlendern wir über den Green Market Square mit seinen unzähligen Straßenständen, Restaurants und bettelnden Kindern. Da heißt es Geldbörse gut festhalten. Interessant ist es, dass es hier auch eine Obdachlosenzeitung gibt, so wie den Augustin in Wien. Uns quatscht Bennet in fast perfektem Deutsch an und natürlich kaufen wir ihm ein Exemplar des „The Big Issue“ ab. Die Artikel in dieser Zeitschrift sind gar nicht mal so uninteressant und außerdem dient es ja einem guten Zweck. Wir wandern weiter vorbei an der St. George Cathedral mit seinem Jazzclub in der Krypta (endlich mal eine sinnvolle Raumnutzung) bis in den Company´s Gardens mit seinen schattigen Bäumen. Dort machen wir erst mal eine Pause, denn untertags wird es schon ordentlich warm hier und legen uns in eins der Nestchen. Ja, sie haben hier verschiedene Vogelnester nachgebildet und man kann sogar in passende Webervögel-Behausungen schlüpfen. Wir liegen jedoch lieber in einem großen freischwingenden Turkannest unter einer gigantischen Eiche und lassen die Seele baumeln.

Gaumenfreude - eine richtige Leberkäsesemmel

Gaumenfreude – eine richtige Leberkäsesemmel

Langsam kommt jedoch ein gewisses Wüstenfeeling in der Kehle auf und da bietet sich einer der unzähligen Pubs in der Long Street mit seinen süffigen Bieren an. Frisch gestärkt streben wir dann der V & A Waterfront zu – dort ist eine sehr weitläufige Shopping-Mall, wo wir sogar zwei Bäckereien finden, die halbwegs dunkles Roggenbrot und bissfeste Weckerln führen. Die Bavarian Bakery hat sogar heißen Leberkäse in der Vitrine liegen – was für ein Festmahl! Wir haben dieser Dinge schon so lange entbehren müssen und genießen sie dafür jetzt umso mehr. Da man ja als Segler nie mit leeren Taschen heimgeht und unsere Vorräte immer wieder aufgestockt werden müssen, laden wir im großen Supermarkt noch unseren Wagen voll und fahren mit unserer Beute mit dem Taxi wieder zurück zum Schiff. Am nächsten Tag starten wir den nächsten Versuch in Sachen fahrbaren Untersatz.

auf der Weinroute

auf der Weinroute

Diesmal haben wir einen lokalen Mietwagenanbieter gewählt – Rent a Cheapie Car Hire – und was bekommen wir, einen echten Oldtimer! Einen VW Golf II mit Choker und 5-Gang-Getriebe, so etwas wird in Europa schon seit 20 Jahren nicht mehr produziert. Christoph ist begeistert, denn auch er hatte, als wir uns kennengelernt haben, so ein Auto.

praktische Höhenbegrenzung

praktische Höhenbegrenzung

Na gut, er kann ja leicht begeistert sein, denn er muss ja dieses bockige Ding auch nicht fahren. Da sein Führerschein ja auch mit gestohlen wurde, bleibt es an mir hängen. So eine Sch…, denn eine Lenkerberechtigung im Ausland zu bekommen ist fast unmöglich und ich fahre eigentlich nicht so leidenschaftlich gerne Auto. Aber was soll`s, wir wollen ja was sehen und alles zu Fuß oder mit dem Bus ist nicht möglich. Für ein paar Tage fahren wir durch die Weinregion, schrauben uns über die Bergpässe nach Stellenbosch, Paarl und Franschhoek und verkosten ein paar der leckeren Weine (ist auch mit ein Grund warum ich nicht fahren will, ich will doch auch kosten!).

Capr Point

Cape Point

Eine andere Tour führt uns über die Hout Bay und den Chapman`s Peak Drive raus zum Kap der guten Hoffnung. Wir klettern am Cape Point rauf zum alten Leuchtturm, stehen auf den 200m hohen Klippen und schauen über die tosende See. Faule Leute können dort sogar mit einer Standseilbahn rauffahren, wie wir zu unserer Verwunderung feststellen durften. Es ist schon faszinierend wenn man von dort oben sieht wie sich der kalte Benguela-Strom von der Westküste mit dem warmen Agulhas-Strom der Ostküste mischt. Hier trifft der Atlantische auf den Indischen Ozean und man kann es richtig an der Farbe des Wassers erkennen.

Das Kap der Stürme

Das Kap der Stürme

Ein Stückchen weiter kommen wir dann an das wirkliche Kap der guten Hoffnung, es ist zwar nicht wirklich der südlichste Punkt Afrikas, denn das ist ja richtigerweise das Kap Agulhas ca. 230 km östlich davon, aber dieser Felsen ist eben bekannter und viel eindrucksvoller. Wir erklimmen diese Felsen, sitzen dort oben in Mitten von Klippschliefern (dassies)und denken uns “Mann, was hatten wir doch für ein Glück mit dem Wetter“, denn wir hatten nette 15 Knoten achterlichen Wind und relativ ruhige See.

Klippschliefer (Dassies)

direkte Verwandte der Elefanten

Kein Wunder das diese Gegend auch Kap der Stürme heißt, denn heute ist ein typischer Kaptag, es bläst, dass man sich fast nicht auf den Beinen halten kann, die Wellen brechen sich schon auf offener See und eine Windhose jagt die nächste. Da bekommt man wirklich Ehrfurcht! Die Vegetation direkt am Kap ist wie man es erwartet, Krupp und niedrige Büsche, denn mehr kann und will hier nicht wachsen, alles was nicht in Deckung geht, fliegt davon. Als wir dann Richtung Simons Town fahren, sehen wir dicke schwarze Rauchwolken über den Bergen, da müssen gewaltige Buschbrände sein.

Strömungskarte

Strömungskarte

Noch ein kurzer Besuch bei den Pinguinen am Boulders Beach und dann zurück zum Schiff, denn am nächsten Tag steht der Tafelberg am Programm. Na hoffentlich hat er auch offen, denn die letzten drei Tage war aufgrund des Windes die Seilbahn die meiste Zeit außer Betrieb. Aber wir haben Glück, erstens ist die Warteschlage nicht zu lang und zweitens haben wir relativ wenig Wind und eine Traumsicht. Die Gondel ist interessant, denn sie dreht sich auf ihrer Fahrt einmal um die eigene Achse, sodass jeder Gast mal einen guten Fensterplatz hat. Wir wandern fast einen halben Tag auf dem Plateau herum, suchen uns dann ein gemütliches Picknickplätzchen an der Steilwand und genießen die unglaubliche Aussicht.

unser Picknickplatz am Tafelberg

Blick über Kapstadt

Von hier oben sieht man auch schön die Buschbrände, sie ziehen sich über mehrere Kilometer die Berghänge entlang. Ich frage einen Touristguide warum da nicht Löschflugzeuge oder ähnliches eingesetzt wird. Er meint nur, dass kommt jedes Jahr vor und man löscht nicht, sondern grenzt nur das Gebiet durch Rodung von Brandschneisen ein – na, auch eine Art der Problemlösung, aber furchteinflößend sieht es trotzdem aus.Den Nachmittag verbringen wir dann im Kirstenbosch Botanical Garden um unsere sonnengeschädigte Haut der “Hochebenen“ noch ein bisschen unter schattigen Bäumen erholen zu lassen.

Gondel auf den Tafelberg

Gondel auf den Tafelberg

Hier könnten wir tagelang herumwandern oder auf einer Picknickdecke im Schatten liegen, es ist Erholung pur und so ruhig. Nur ein paar freche Eichhörnchen oder Enten schauen vorbei ob es nicht was zum Abstauben gibt. Tja, alles hat irgendwann mal ein Ende, aber es warten ja immer neue Erlebnisse und Erfahrungen auf uns und auch Namibia wird uns bestimmt gefallen.

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