Newsflash: Erstmals in Wien - endlich der letzte Teil unserer Trilogie !
3.10.2016

So. 02.10.2016 – Andalusien – zwischen Korkeichen und Olivenhainen

Andalusien (Jerez)

Andalusien (Jerez)

Da sich inzwischen noch immer kein geeignetes Wetterfenster in Aussicht gestellt hat, nutzen wir die Zeit um mit dem Auto mal wieder diese wunderschöne Gegend zu erkunden. Das letzte Mal waren wir im Dezember 2008 hier, als wir uns nach einem geeigneten Schiff umgeschaut haben. Auch damals hat uns schon der südländische Flair voll gefangen genommen. Es ist sehr interessant und uns schon bei verschiedenen Gelegenheiten aufgefallen, die Angebote für Mietautos sind im Internet oft um die Hälfte günstiger, als wenn man direkt zum Vermieter geht.

Gibraltar - Point Europa

Gibraltar – Point Europa

Wir haben es trotzdem mal wieder versucht und auch diesmal sind die Agenten vor Ort nicht auf den Internetpreis eingestiegen. Na dann eben nicht, sollen sie halt ihren Profit und ihre Prozente mit Vermittlern und Kreditkartenfirmen teilen, ist ja nicht unser Problem (aber verstehen tun wir es trotzdem nicht). Normalerweise hört man fast jeden Morgen das Hupkonzert der unzähligen Autofahrer, die in den langen Warteschlangen ungeduldig auf den Grenzübertritt nach England (Gibraltar) warten. Denn es leben viele aus Kostengründen in Spanien, aber arbeiten in England.

Wahrzeichen (Orborne Stier)

Wahrzeichen (Orborne Stier)

Da ausnahmsweise mal kein ewig langer Stau vor der Grenze war, ist unsere Fahrt erst mal zum Felsen gegangen, wo wir mal  schnell die Aussicht genießen und die Affen besuchen wollten. Aber schon kurz nach dem Bergfuß war Schluss – Auffahrt nur mehr mittels Taxis (€ 25,– pro Person) oder mit der Gondel (€ 20,– pro Näschen) möglich. Ok, man kann auch das Auto auf dem Parkplatz stehen lassen (kostet “nur“ € 5,–), dann nochmals einen Euro für den “Nationalpark“ berappen und die Straße entlang den ganzen Felsen raufwandern (ca. 30-40 Minuten).

Meilenstein f. Segler

Meilenstein f. Segler

Das war uns die Aussicht dann doch nicht wert und so sind wir weiter zum Point Europa mit seinem Leuchtturm und seiner malerisch, vor der steilen Felswand, stehenden Moschee gefahren und haben über die ganze Flotte an Frachtern und Fähren rüber nach Marokko geblickt (ausnahmsweise mal was ohne überteuerte Eintrittsgebühr). Dann war unser Bedarf an britischer Gastfreundschaft auch schon gestillt und wir haben uns  nach Tarifa aufgemacht.

Tapas - kleine Snacks

Tapas – kleine Snacks

Ein wirklich nettes altes Städtchen und für uns Segler ein wichtiger Meilenstein, denn die Isla de las Palomas mit ihrem weitsichtbaren Leuchtturm ist der südlichste Punkt des europäischen Festlandes und bezeichnet ebenso die Grenze zwischen Atlantik und Mittelmeer. Wir stehen etwas melancholisch auf der Brücke, schauen zurück nach Westen in die unendlichen Weiten des Atlantiks mit all unseren Erinnerungen und Erlebnissen und blicken dann nach Osten ins Mittelmeer wo unsere nächsten Abenteuer liegen werden. Zum Trost entern wir danach eine nette Tapa-Bar am Hafen und gönnen uns zu Mittag ein paar kleine Tellerchen mit andalusischen Spezialitäten.

Tarifa

Tarifa

Auf der Weiterfahrt sehen wir immer wieder Aussichtspunkte, wo viele Teleskope und Kameras mit extremen Objektiven stehen. Zuerst haben wir gedacht, dass wir irgendein Himmelsphänomen übersehen haben, aber nein. Aufgrund der Thermik versammeln sich hier viele Ornithologen und beobachten den jährlichen Vogelzug. Immer wenn sich irgendein Vogel (oder auch mehrere) in die Nähe blicken lässt, kommt plötzlich Leben in die Beobachter, dann klicken die Kameras und es wird diskutiert welcher Vogel es ist und ob er bereits registriert und katalogisiert ist –  echt unterhaltsam. Wir mögen zwar Vögel, aber trotzdem zieht es uns weiter.

Sandbilder anlässlich einer Prozession (Jerez)

Sandbilder anlässlich einer Prozession (Jerez)

Unser nächster Stopp ist Cádiz. Bei unserem ausgiebigen Spaziergang durch die Altstadt finden wir eine nette kleine Pension, wo wir für diese Nacht unser Lager aufschlagen.

Marienanbetung

Marienanbetung

Nachdem wir den lauen Abend gemütlich in einer schnuckeligen Tapa-Bar genossen haben, sind wir noch am Heimweg am Mercado Central hängen geblieben. Der bietet nämlich nicht nur untertags Obst, Gemüse und Fisch an, nein am Abend wird er wieder geöffnet und dann kann man bei unterschiedlichen Ständen in heimischen und fernen Genüssen schwelgen.

zuerst der Weinkeller  ...

zuerst in den Weinkeller …

Wir bummeln natürlich auch durch und werden plötzlich magisch von einem Weissbierglas angezogen. Und wirklich, hier gibt es doch glatt Weihenstephaner vom Fass! Und wer hält wohl das Glas – natürlich  ein uriger Bayer! So lernen wir Anton und Carmen kennen und es wird mal wieder später als beabsichtigt. Anton lebt bereits seit 30 Jahren in Andalusien und unterrichtet hier Spanier im Umgang mit der deutschen Sprache (da ist natürlich zu überlegen, wie weit Bayrisch überhaupt Deutsch ist?!?). Am nächsten Tag ist es dann weiter nach Jerez de la Frontera gegangen.

... und dann die Verkostung

… und dann die Verkostung

Der Weg ist leicht zu finden, denn schon auf der Straße blicken uns die schwarzen Stiere von Osborne entgegen. Wir wandern erst einmal durch die entzückende Altstadt und besuchen dann die Sherry-Weinkellerei Gonzalez Byass – Bodega Tio Pepe. Nach der Führung durch Lagerräume mit tausenden Fässern dieser goldgelben Flüssigkeit dürfen wir natürlich nicht versäumen sie auch zu verkosten (aber immer nur ein kleines Gläschen, wir wollen ja schließlich heute noch weiter).

Korkeiche

Korkeichen …

Über kleine Nebenstraßen, geht es quer durch die Bergwelt, vorbei an den weißen Bergdörfern die an den steilen Berghängen kleben, in den Nationalpark Los Alcornocales mit seinen Korkeichenwäldern und Olivenhainen wieder zurück an die Küste nach Zahara de los Atunes, einem kleinen Fischerdorf mit einem Touristenproblem.

... und uralte Olivenbäume

… und uralte Olivenbäume

Hier ist dieses Wochenende ein riesiges Fest mit Musik und wir wollen uns hier nochmals mit Anton und Carmen treffen. Soweit das Auge reicht lange weiße Sandstrände, jedoch auch hunderte Badegäste und Trubel – ist so gar nicht unsere Welt und so flüchten wir von dort möglichst schnell wieder. Am nächsten Tag düsen wir die kurvenreiche Straße nach Ronda, einem maurisch angehauchten Bergdorf und wirklichen Touristenspot mit viel Nepp und Tinnef.

Andalusische Bergdörfer

Andalusische Bergdörfer

Es liegt auf einem 723 m hohen Plateau und das Besondere ist die im 18. Jahrhundert erbaute Puente Nuevo (Neue Brücke) die die Altstadt über die 100 m tiefe Schlucht vom Río Guadalevín  mit dem jüngeren  Stadtteil, El Mercadillo  verbindet. Ebenso ist hier die Wiege des modernen Stierkampfs, sowie einige alter Paläste und arabische Bädern aus maurischer Zeit.

Schule des traditionellen Stierkampfs (Romero-Familie)

Schule des traditionellen Stierkampfs (Romero-Familie)

Viel zu touristisch, uns persönlich haben die verschlafenen Bergdörfer rundherum viel besser gefallen. Zu guter Letzt sind wir wieder über kleine Bergstraßen noch nach Málaga gefahren um zu kosten, ob hier das Malagaeis wirklich besser schmeckt als zu Hause (tut es, aber wahrscheinlich sind unsere heimatlichen Referenzen schon etwas veraltet). Wir steigen rauf zur Alcazaba und genießen den Rundumblick über die Stadt. Eigentlich wollten wir auch wieder ins Picasso-Museum, aber das hatte leider bereits zu. Echt schade, denn es ist wirklich faszinierend. Von Klein-Pablos ersten Werken und Zeichnungen (die außergewöhnlich präzise sind) über sein gesamtes Schaffen bis zu seinem Tod. Es ist faszinierend wie vielfältig dieser Künstler war. Stattdessen sind wir wieder in einer Tapa-Bar versumpft und erst wieder spät nach Hause gekommen.

Andalusische Pferde

Andalusische Pferde

Ein Glück, dass wir keinen Stress haben und nach so anstrengenden Tagen wieder Ruhe und Erholung am Schiff finden können. Aber auch das ist nicht richtig, denn auch hier gibt es ein Social-Life unter den Seglern. Es gibt immer wieder Stegparty`s ob es jetzt der runde Geburtstag von Denise ist oder man auf ein Schwätzchen mit einem Bier zusammensitzt, es ist eigentlich immer was los.

 

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